Über die Vorfälle beim Auswärtsspiel Al Ahly bei Al Masry im Stadion von Port Said sagt Abdullah: "Der Kampf begann am Ende der zweiten Halbzeit, die gegnerischen Fans haben unsere Spieler und unseren Sektor angegriffen, ohne dass die Polizei eingeschritten ist." An diesem 1. Februar 2012 starben 72 und mehr als 1000 Fans wurden verletzt. Für Abdullah war das ein bewusster Akt der Sicherheitskräfte. "In Ägypten weiß jeder, dass die Ultras Ahlawy unterdrückt werden, weil wir 2011 die Ersten waren, die am Tahrir-Platz Freiheit forderten."

Vermischung von Sport und Politik

Der Ex-Spieler Magdy Abdel Ghany, der mit Al Ahly fünf kontinentale Titel gewonnen hat, ist da anderer Meinung. Zur "Wiener Zeitung" sagt Abdel Ghany, der auch im Vorstand des Fußballverbands sitzt: "Der Grund für Port Said war der Fanatismus, und wir haben die negativen Reaktionen bis heute". Es seien Fehler passiert wie die verschlossenen Fluchtwege, aber die Behauptung, dass die Polizei die Fans nicht geschützt hätte, sei politisch motiviert.

Im Jahr 2015 scheiterte der Versuch, die Ultra-Gruppierung wieder in die Stadien zu lassen. Abdel Ghany: "Wenn du Sport mit Politik mischst, zerstörst du den Sport, aber einige der Fans sind mit politischen Botschaften und Fahnen aufgetreten." Auch der jüngste Versuch, die Anhänger mittels Fan-ID nach russischem Vorbild zu registrieren und so die Ticketvergabe zu organisieren, scheint nicht zu funktionieren.

Das schmachvolle Ausscheiden Ägyptens gegen Südafrika löste eine Welle der Empörung aus. Am Tag vor dem Spiel wurden die staatlichen Preise für Benzin und Gas zum Kochen um mehr als 20 Prozent erhöht, statt nationaler Euphorie bekommt die Regierung nun den Volkszorn zu spüren.

Der Trainer musste den Hut nehmen

Unmittelbar nach der Achtelfinalniederlage wurden die Schuldigen sogleich identifiziert: Fußballpräsident Hany Abo Rida, der auch dem Fifa-Rat angehört, sowie der gesamte Vorstand mussten zurücktreten. Nach dem punktelosen Ausscheiden von Mohammed Salah und Co bei der WM 2018 konnten sich die Funktionäre noch im Sattel halten, da wurden noch die Muslimbrüder als Sündenböcke ausgemacht. Jetzt musste nicht nur der hochbezahlte Coach Javier Aguirre den Hut nehmen, sondern die Regierung untersucht nun sogar finanzielle Unregelmäßigkeiten im Verband.

Doch das scheint nur ein Manöver zu sein, um den Unmut der Fans zu besänftigen. Der Chefredakteur der Zeitung "Al-Mesryoon", Gamal Sultan, meint dazu auf Twitter: "Erst letzte Woche war der Fußballverband noch sauber und patriotisch. Solange ihre Siege dem Regime dienten, wurden sie von Sisi empfangen und gefeiert". Nur eine Woche später wäre der gleiche Verband plötzlich korrupt und es wird gegen ihn ermittelt.

Blamage um
Stürmer Warda

Eine weitere Blamage offenbart die Causa um Stürmer Amr Warda. Warda wurde wegen sexueller Belästigung vom Verband suspendiert. Es dauerte aber keine 48 Stunden bis Funktionäre, auch aufgrund der Intervention von Mitspielern wie Liverpools Mohamed Salah, den Griechenland-Legionär wieder begnadigten.

Warda kam dann allerdings zum Entsetzten vieler im Spiel gegen Südafrika schlussendlich zum Einsatz. Nach dem verlorenen Achtelfinale wurde der Hashtag "Team of Harassers" (Mannschaft der Belästiger) zum Trend-Tweet Nummer eins in Ägypten.

Die Affäre lässt jedenfalls auf Kämpfe zwischen Verband, Spielern und Politik schließen, die wohl auch in nächster Zukunft den ägyptischen Fußball prägen werden.