Graz. Es ist noch nicht lange her, da war der FK Haugesund nur hartgesottenen Fußballfans ein Begriff. Doch spätestens nach dem Gastspiel von Sturm Graz in dem 37.250-Einwohner-Städtchen an der norwegischen Südwestküste, gelegen zwischen Bergen und Stavanger, vor einer Woche ist der erst Mitte der 90er Jahre aus einer Fusion herausgegangene Fußballklub, der seitdem einmal - 2007 - ins nationale Pokalfinale vorgestoßen war, auch in Österreich jedem Fußballinteressierten bekannt.

Nach der 0:2-Niederlage der Grazer im Hinspiel der zweiten Europa-League-Qualifikationsrunde stehen diese in der Retourpartie am Donnerstag (20.30 Uhr/Puls4) schon ordentlich unter Druck. Doch eines ist sicher: Lauter als im beschaulichen Norwegen wird es auch in der Grazer Merkus-Arena nicht werden. Die Becherwurf-Affäre aus dem Vorjahr wirkt noch immer nach, Sturm muss das Heimspiel - mehr oder weniger - unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Das Reglement des Europaverbandes Uefa erlaubt lediglich einer beschränkten Anzahl an Kindern und Jugendlichen, an die die Karten verschenkt wurden, den Zutritt. Inklusive Begleitpersonen und Journalisten werden damit knapp unter 3000 Zuschauer im Stadion sein.

Ligaauftakt gab Selbstvertrauen

Und diese wollen das sehen, was Trainer Nestor El Maestro vor einer Woche noch als "Wunder" bezeichnet hätte. Doch mit dem 3:0-Erfolg gegen St. Pölten am Sonntag ist die Brust des Neo-Sturm-Coaches und seiner Mannen wieder breiter geworden. Ihm habe nicht nur der Sieg gefallen, sondern auch "die Art und Weise, wie wir gespielt haben", sagte Innenverteidiger Lukas Spendlhofer nach dem Auftritt am Wochenende. "Ich fand das Spiel nach vorne erfrischend." Auch El Maestro zeigte sich zuversichtlich: "Im Hinspiel haben wir schlecht gespielt, aber wir haben noch 90 Minuten vor uns. Es ist erst Halbzeit", meinte er. Dabei sei auch das Ergebnis vom Hinspiel "weit weg von desaströs", wenn auch "sehr, sehr enttäuschend" gewesen, wie er hinzufügte.

Tatsächlich haben die Grazer auch vor einer Woche durchaus ihre spielerischen Qualitäten aufblitzen lassen, sind aber oftmals an der Physis des Gegners zerschellt. Die Hoffnung, dass dieser ihnen im Rückspiel so viele Räume für Konter eröffnen wird, wie dies St. Pölten beim Bundesliga-Auftakt teilweise tat, sollte man daher nicht haben. Von der individuellen Klasse her sollten dennoch die Gastgeber im Vorteil sein. Mit einem Gesamtmarktwert von 6,3 Millionen Euro liegen die Norweger deutlich hinter den Österreichern (20 Millionen Euro) zurück.

Linzer gegen Basel

Sollte Sturm tatsächlich noch die Wende schaffen, steht der nächste Gegner indessen schon fest. PSV Eindhoven steigt nach dem Aus in der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Basel in die Ausscheidung zur Europa League um und bekommt es mit dem Aufsteiger aus Haugesund gegen Sturm zu tun. Die Schweizer, die sich dank der Auswärtstorregel durchsetzten, stehen indessen Österreichs Vizemeister Linzer ASK auf dessen angestrebtem Weg in Richtung Champions League als erste Hürde im Weg. Das Drittrundenhinspiel der Qualifikation steigt am 7. August auswärts, das Retourspiel am 13. August vor heimischem Publikum. Dann gibt es auch ein Wiedersehen mit dem einstigen österreichischen Teamchef Marcel Koller, der den ehemaligen Schweizer Serienmeister betreut. In den vergangenen beiden Jahren wurde Basel allerdings nur Zweiter hinter den Young Boys Bern, interne Querelen hatten zudem die Vorbereitung überschattet. Mit dem nun erfolgten Aufstieg sowie dem 4:1-Sieg gegen Sion zum Ligaauftakt wähnt sich Basel aber wieder im Aufwind. Und ein prominenterer Name als Haugesund ist es allemal. Aber das muss bekanntlich nicht immer etwas heißen. (art)