Basel/Linz. Die Geschichte des Lask im Europacup ist schnell erzählt und relativ glanzlos für den Traditionsklub aus der Stahlstadt: Bei zehn internationalen Teilnahmen seit 1964 (in der Saison darauf holten die Athletiker den bisher einzigen Meistertitel) kam gleich sieben Mal das Aus bereits in der ersten Runde. Auch wenn mitunter Pech dabei war, wie bei der Premiere im Pokalsieger-Bewerb 1963, als gegen Dinamo Zagreb der Münzwurf zuungunsten der Schwarz-Weißen entschied, oder im Vorjahr, als in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League ein Last-Minute-Auswärtstor von Besiktas Istanbul das unverdiente K.o. brachte. Eine Sternstunde gelang den Linzern aber auf internationaler Bühne sehr wohl, als nämlich 1985 in der zweiten Uefa-Cup-Runde das damalige Starensemble von Inter Mailand vor 25.000 Zuschauern auf der Gugl 1:0 geschlagen wurde - Held des Abends war Hans Gröss, der Inter-Goalie Walter Zenga mit einem Schuss vom Sechzehner düpierte. Auch wenn das Rückspiel im San Siro 0:4 verloren ging, dieser Sieg gegen den italienischen Traditionsklub ist als größter internationaler Erfolg in die Lask-Annalen eingegangen.

Und wird als solcher bald Geschichte sein. Denn der heimische Vizemeister hat schon vor dem ersten Einsatz in der heurigen Europacup-Saison ein millionenschweres Fixticket für die Gruppenphase der Europa League in der Tasche (und damit sechs Gruppenspiele), zugleich aber auch die Option auf mehr - sprich: die Champions League. Um gemeinsam mit Salzburg heuer in der Königsklasse zu spielen, bedarf es freilich eines kleinen Wunders und des Überstehens zweier Qualifikationsrunden. Die erste steigt am Mittwoch (20Uhr/ORF1) im St.-Jakob-Park, wo der Schweizer Vizemeister FC Basel unter der Regie von Ex-ÖFB-Teamchef Marcel Koller zum Hinspiel bittet.

Sollte diese Hürde genommen werden, wäre wohl die Perspektive Champions League nicht mehr ganz so utopisch bei einem dann anstehenden Play-off-Duell Ende August mit dem Sieger aus Dynamo Kiew/Club Brügge.

So oder so gefallen sich die Linzer in der Rolle des krassen Außenseiters mit der bescheidenen Europacup-Statistik - erst recht vor dem Hintergrund, eigentlich eh nur noch gewinnen zu können: "Wir haben überhaupt nichts zu verlieren", meinte daher auch Mittelfeldmotor Peter Michorl. "Wir wollen natürlich in der Champions League spielen. Wir sind sicher der Außenseiter, aber im Fußball ist alles möglich."

Sein Chef rät daher auch, die Partie in der EM-Arena gegen den 20-fachen Schweizer Meister zu genießen: "Wir können uns richtig auf dieses Spiel freuen", meint Neo-Lask-Coach Valerien Ismael, der aus seiner Zeit als Aktiver mit Bayern und Werder Champions-League-Erfahrung hat. Nach drei souveränen Pflichtspielsiegen mit dem Lask geht auch der 43-jährige Franzose mit breiter Brust in sein Trainer-Europacup-Debüt. In dem er die Basis für ein echtes Entscheidungsspiel am 13. August im Linzer Stadion legen will.

"Basel ist eine sehr abgeklärte und physisch sehr starke Mannschaft. Wir sind eher Außenseiter, haben aber unsere Chancen." Wobei natürlich der Umgang seiner Spieler mit der ungewohnten Kulisse von 38.000 Zuschauern im St.-Jakob-Park entscheidend sein werde. "Basel wird uns vor vollem Haus gerade in den ersten Minuten unter Druck setzen wollen, auch um das Publikum mitzunehmen. Da erwarten uns eine andere Intensität und eine andere Geschwindigkeit", so Ismael. Sein Rezept: "Wir müssen dagegenhalten, peu à peu ins Spiel finden und unsere Nadelstiche setzen - aus dem Spiel heraus und aus Standards. Wir haben unsere Waffen." Drei der bisherigen fünf Ligatore hat seine Truppe aus Standards erzielt. Doch auch die Basler, die in der ersten Runde beim 2:1-Rückspielsieg gegen den holländischen Vizemeister PSV Eindhoven begeisterten, sind stark bei Freistößen und Eckbällen.

Goiginger fit, Koller warnt

Ismael, der im Großen und Ganzen am erfolgreichen System von Vorgänger Oliver Glasner festhält, dürfte am Mittwoch wieder auf Thomas Goiginger setzen können, den zuletzt Schambeinprobleme plagten. Basel indes könnte ein Offensivproblem erwachsen, da Stürmer Kemal Ademi fix ausfällt und Albian Ajeti zumindest fraglich ist. Koller, der im Sommer den klubinternen Konflikt mit Sportchef Marco Streller gewonnen hat und nach Rang zwei heuer die Young Boys angreifen will, hält viel von dem Gegner aus dem Land seiner früheren Nationalmannschaft: "Der Lask ist eine gute Mannschaft, aggressiv und kompakt."