Basel. (may) Am Matchtag wurde Basel-Coach Marcel Koller vom Schweizer Boulevard noch im Trachtenhut dabei abgelichtet, wie er ein "Linzer Törtchen" (sic!) verspeiste. Nach 90 Minuten im Basel St.-Jakob-Park lag dem Ex-ÖFB-Trainer aber das vermeintliche Glückslos namens Lask auf dem Weg in die Champions League schwer im Magen. Denn auch wenn Koller seine Spieler vor den Qualitäten des rot-weiß-roten Vizemeisters gewarnt hatte, dass das international unbeschriebene Blatt mit dem eidgenössischen Vorzeigeverein überhaupt mithalten könnte, wollte dann doch keiner so recht glauben. Daher musste auch die Schweizer Presse nach dem verdienten 2:1-Erfolg der Linzer Athletiker neidlos feststellen: "Diese Österreicher alleine auf Ecken und hohe Bälle zu reduzieren, wäre dann doch etwas einfach. Sie sind lauffreudig, kämpfen aufopferungsvoll und sie pressen gnadenlos."

Tatsächlich war es nicht nur für Lask-Trainer Valerien Ismael eine "Riesenleistung", was die großteils international unerfahrenen Linzer vor 20.500 Zuschauern in der EM-Arena ablieferten. Die Ausgangsposition im Rückspiel am Dienstag im Linzer Stadion (20.30 Uhr/ORF1) ist nun jedenfalls ausgezeichnet, weil die Schweizer mindestens zwei Auswärtstreffer für ihr Weiterkommen benötigen; gelingt dem Lask der Aufstieg, warten zusätzlich fünf Millionen Euro Prämie im Play-off sowie ein Duell mit dem Sieger aus Club Brügge/ Dynamo Kiew (Hinspiel 1:0) um den Einzug in die Königsklasse. Das Tor zum großen Geld also für den vor einigen Jahren noch vor dem Konkurs stehenden Linzer Traditionsverein.

Am Tag nach dem größten schwarz-weißen Europacuperfolg übten sich die Protagonisten aber im Understatement: "Es ist erst die Hälfte vorbei", sagte Kapitän und 1:0-Torschütze Gernot Trauner. Auch sein Assistgeber Peter Michorl trat auf die Bremse: "Es warten noch schwierige 90 Minuten." Lob für seine Truppe gab es indes vom neuen Trainer, der als solcher eine perfekte Euopacup-Premiere hinlegte: "Wir dürfen uns heute freuen", so Ismael, "es war ein mutiger Auftritt mit dem Fokus auf unsere Stärken. Die Mannschaft hat unter Beweis gestellt, dass wir in der Lage sind, jedem Gegner Probleme zu bereiten." Abgesehen von der Schlussphase brachte Basel kaum nennenswerte Aktionen zuwege, selbst Ismael geriet angesichts dessen ins Schwärmen. "Phasenweise hat mir schon imponiert, wie die Mannschaft mit Selbstverständlichkeit gespielt hat."

Für Koller endete der Abend indes enttäuschend: "Wir konnten das Spiel von hinten nicht aufbauen und gewannen zu wenig Zweikämpfe. Wir müssen uns steigern und wacher sein am Dienstag", meinte Koller. "Das Duell wird in zwei Spielen entschieden. Wir müssen in Linz anders auftreten, die Chance auf ein Weiterkommen ist noch da."