Das erste Wiener Derby in der neuen Staatsliga bestritten unter anderem Robert Dienst (l.) und Josef Spale. 45.000 Fans schauten zu. - © Huber
Das erste Wiener Derby in der neuen Staatsliga bestritten unter anderem Robert Dienst (l.) und Josef Spale. 45.000 Fans schauten zu. - © Huber

Wien. 27. August 1949. Die Ränge auf der Pollak-Wiese in der Deublergasse waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Geduldig erwarteten die Anhänger von Gastgeber FAC und Sport-Club den Einlauf ihrer Mannschaften. Die Fans wie auch die Spieler und Funktionäre waren sich der historischen Bedeutung des Spiels durchaus bewusst, markierte es doch den Beginn einer neuen Ära im österreichischen Fußball. Erst wenige Wochen zuvor, am 31. Juli 1949, hatte der ÖFB einstimmig die Wiedereinführung des Professionalismus in Österreich sowie die Gründung einer landesweiten Staatsliga, die zunächst die Regionen Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Oberösterreich umfasste, beschlossen.

Erstmals in der Geschichte kickten 13 österreichische Teams der "Liga A" genannten Oberklasse unter einem Dach. Den Anfang machten am 27. August FAC und Sport-Club, tags darauf durften sich auch schon die Provinzklubs mit den Wiener Vereinen und untereinander messen, wobei die ersten "länderübergreifenden" Partien gleich zwei Kantersiege bescherten: Steyr schlug Gloggnitz mit 5:2, Sturm ging gegen die Vienna 1:6 unter.

Tatsächlich war die Gründung der österreichweiten Liga damals nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern vor allem auch politisch von großer Bedeutung. Österreich war im August 1949 nach wie vor in Besatzungszonen aufgeteilt, in denen der Alltag - vor allem im sowjetisch dominierten Bereich in Wien, Niederösterreich und Burgenland - von Identitätskarten, Postzensur, Anhaltungen, Verhaftungen oder sogar Verschleppungen geprägt war. Grenzübertritte von der Ost- in die Westzonen erwiesen sich daher als gefährliches Abenteuer. Dies traf insbesondere auf die Bundeshauptstadt Wien zu, die zur Hälfte von der Roten Armee kontrolliert wurde - darunter auch die Pollak-Wiese des FAC. Die Arena des Sport-Club lag wiederum im US-amerikanisch besetzten Hernals.

Die Austragung von regelmäßigen Ligaspielen mochte da die Situation vor allem in Wien endlich etwas entschärfen. In den westlichen Bundesländern war die Lage, nachdem die US-Verwaltung bereits am 24. Juli 1945 in Oberösterreich (ohne Mühlviertel) und Salzburg die freie Sportausübung ermöglicht hatte und im Herbst die Briten und Franzosen nachgezogen waren, eine andere.

Die Liberalisierung des Zonenverkehrs führte hier schon früh dazu, dass der bundesländerübergreifende Sportverkehr stark zunahm. Diese Öffnung und in der Folge auch die Gründung der Staatsliga, die neben einer A- und B-Liga zudem neun Landesligen unterhielt, kam nicht nur den teilnehmenden Klubs, sondern auch der österreichischen Nationalmannschaft zugute. Nachdem die ÖFB-Elf schon im Dezember 1945 Frankreich in einem Freundschaftsspiel sensationell 4:1 geschlagen hatte, mutierte sie in den Jahren danach zu einem neuen "Wunderteam" und belegte bei der WM 1954 in der Schweiz den dritten Rang. Diese Erfolge zählten weit mehr als nur wie ein Sieg. Sie waren der Beweis dafür, dass das in vielen Augen kleine, geschundene, ausgeblutete und besetzte Österreich in der Lage war, es mit den Größten der Welt aufzunehmen.