Der FC Liverpool holte nach der Champions-League-Trophäe auch jene im Supercup. Englands Klubs dominieren derzeit Europa. afp/Ozan Kose - © AFP
Der FC Liverpool holte nach der Champions-League-Trophäe auch jene im Supercup. Englands Klubs dominieren derzeit Europa. afp/Ozan Kose - © AFP

Istanbul. England also, nona. Man musste schließlich kein allzu großer Prophet sein, um vorauszusehen, dass der Titel im Uefa-Supercup heuer an eine englische Mannschaft gehen würde. Der FC Liverpool hatte davor die Champions League gewonnen, Chelsea die Europa League - und das jeweils in rein englischen Finalspielen. Mehr geht nicht.

"Das zeigt schon die Qualität der Premier League", hatte Liverpool-Trainer Jürgen Klopp vor der Begegnung im fernen Istanbul gemeint, in der sich seine Mannschaft dann nach einer dramatischen Partie mit 5:4 im Elfmeterschießen (2:2 n.V.) durchsetzte. Liverpool, best of England also und damit gleichbedeutend best of Europe - so könnte man die Machtverhältnisse im internationalen Fußball darstellen. Es wäre eine Schlussfolgerung, die mit der finanziellen Tektonik korrelieren würde. Seit Jahren gilt die Premier League, Vorreiterin in Sachen globaler Markenbildung und medialer Vermarktung, als Queen auf dem Finanzsektor. In Sicherheit wiegen sollte sie sich deshalb aber nicht.

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Freilich war es Zufall, eines gewissen Symbolcharakters entbehrte es aber nicht, als Liverpools Tormann Adrian, unverhofft als erst kürzlich verpflichteter Spieler und Ersatz für den verletzten Stammgoalie Alisson in die Startformation gerutscht, noch Minuten nach dem Abpfiff der Supercup-Partie mit einem breiten Grinsen im Gesicht und der spanischen Flagge um den Schultern auf dem Feld stand; als er sich unter anderem von Trainer Klopp feiern ließ und gemeinsam mit ihm feierte. Ein Spanier und ein Deutscher, sie gelten nun als die Väter des englischen Triumphes nach der am englischsten geprägten Europacupsaison, die man sich vorstellen konnte - und das Bild könnte auch ein Hoffnungsschimmer für ihre Herkunftsländer sein, die aktuell auf Klubebene etwas im Schatten der Insel stehen. Dieser ist lang - aber durchaus ersprießlich. Denn tatsächlich haben die Ligen in Deutschland und Spanien, die am Freitag beide in die neue Saison starten, zuletzt wirtschaftlich aufgeholt.

In absoluten Zahlen freilich ist die Premier League mit einem Umsatz von 5,44 Milliarden Euro in der Saison 2017/18 und einer von den Analysten der Wirtschaftsprüfungsagentur Deloitte erwarteten Steigerung auf 5,94 Milliarden Euro für das nunmehr begonnene Geschäftsjahr das Maß aller Dinge. Doch betrachtet man die Wachstumsraten, hat Spanien über die vergangenen Jahre hinweg vom Umsatz her am meisten Boden gut gemacht; auch bei Deutschland ist die Steigerung prozentuell höher.

Während in England der Plafond langsam erreicht scheint, haben die beiden anderen großen Ligen noch Luft nach oben - und sie verfolgen dabei neben einer Umstellung des TV-Rechtesystems ähnliche Strategien, wie Kim Lachmann, Manager der Sport Business Gruppe bei Deloitte, erklärt. "Beide Ligen und damit auch deren Klubs wittern Wachstumspotenzial auf dem internationalen Markt und haben Auslandsbüros eröffnet. Auch entsprechende Reisen stehen mittlerweile regelmäßig auf dem Programm." La Liga ist dabei freilich noch forscher unterwegs, mehr Spiele im Ausland, wie es beim nationalen Supercup schon der Fall war, sind eine laut angedachte Option.

Doch Spanien (im Bild Real Madrids Neuzugang Eden Hazard) verzeichnet die größte Steigerung. - © APA/KRUGFOTO
Doch Spanien (im Bild Real Madrids Neuzugang Eden Hazard) verzeichnet die größte Steigerung. - © APA/KRUGFOTO

Allerdings sind solche Wege nicht frei von Gefahren. Zum einen könnte der Kontakt zu den eigenen Fans am heimischen Markt leiden - in Sachen Zuschauerzuspruch ist Deutschland die Nummer eins -, zum anderen weist Spanien im Verhältnis zum Umsatz schon jetzt prozentuell die höchsten Personalausgaben auf. Mit 66 Prozent in diesem Bereich für die Saison 2017/18, aus der die bisher letzten zur Verfügung stehenden Daten stammen, kratzt man schon knapp an jener Marke, die für ein gesundes Wachstum problematisch werden könnte.

Auch Deutschlands Klubs wollen hoch hinaus. Großinvestor war Dortmund (hier Mats Hummels). - © AFP
Auch Deutschlands Klubs wollen hoch hinaus. Großinvestor war Dortmund (hier Mats Hummels). - © AFP

Deutlich konservativer geben sich die Deutschen, deren Klubs etwa 53 Prozent in Spielergehälter investieren, in England sind es 59 Prozent. Auch auf dem Transfermarkt haben heuer die Spanier, angeführt von Real Madrid, das um die Rückeroberung der Vormachtstellung in der Champions League kämpft, weitaus kräftiger zugeschlagen als die Engländer. Die sind momentan, was Fußballbelange betrifft, noch mit Feiern beschäftigt. Nach einer Saison wie dieser: nona.