Wien. (apa) Der Argentinier Mario Kempes gilt als einer der besten Fußballer der Geschichte. In seinem Heimatland wurde er 1978 WM-Torschützenkönig und zum Spieler des Turniers gewählt. Ab dem Frühjahr 1986 geigte er eineinhalb Jahre für den First Vienna Football Club, der am 22. August 125 Jahre alt wird. Aus diesem Anlass gibt Kempes in dieser Woche ein Comeback auf der Hohen Warte. Heute arbeitet der 65-Jährige als Experte für die lateinamerikanische Sparte des TV-Senders ESPN. In dieser Rolle ist er nicht zuletzt ein genauer Beobachter seines Landsmannes Lionel Messi, den er angesichts harter Kritik stets verteidigt hat. Im Interview mit der APA sprach Kempes auch über seine Zeit in Österreich, seine kurze, "erlebnisorientierte" Trainerkarriere und seinen Geburtstagswunsch für die Vienna.

"Wiener Zeitung": Sie waren ab 1986 sechs Jahre in Österreich. Was hat Ihnen an dem Land so gefallen, dass Sie eine so lange Zeit geblieben sind?

Mario Kempes: Die Kultur, die Menschen, das Flair. Österreich ist ein großartiges Land und Wien eine fantastische Stadt. Das Wichtigste war mir, dass ich weiter Fußball spielen konnte. Aber ich habe mich hier extrem wohlgefühlt. Auch als ich für St. Pölten und Krems gespielt habe, habe ich in Wien gelebt. Ich erinnere mich immer gerne an diese Zeit.

Warum hat es Sie gereizt, nach der Vienna noch bei den kleineren österreichischen Vereinen Krems und St. Pölten zu spielen?

Die Herausforderung hat mich immer gereizt. Nur weil das kleinere Klubs sind, heißt das doch nicht, dass sie keine so großen Ambitionen und Ziele hatten wie die großen Vereine. Ich habe immer mein Bestes gegeben. Und ich sah bei all den Klubs die Voraussetzungen gegeben, um auf höchstem Niveau zu spielen.

Mario Kempes 2018 im Rahmen der WM-Pokal-Tour. - © afp/Juan Mabromata
Mario Kempes 2018 im Rahmen der WM-Pokal-Tour. - © afp/Juan Mabromata

Wurden Sie damals in Wien auf der Straße, im Supermarkt eigentlich öfters erkannt und angesprochen?

Für mich war nicht wichtig, erkannt zu werden. Ich wollte Spaß am Fußball haben.

Wie haben Sie das Spielniveau in Österreich empfunden?

Das Niveau war alles andere als niedrig, wenn Sie darauf anspielen. Schon damals gab es Vereine wie Rapid, die Austria, die international kompetitiv und erfolgreich waren. Bei der Vienna haben wir versucht, das Niveau der europäischen Konkurrenten zu erreichen.

Sie haben Vereine in Ländern wie Albanien, Bolivien und Indonesien trainiert. Was war der Beweggrund, diese mitunter "exotischen" Angebote anzunehmen?

Ich hatte diese Angebote einfach, und die Herausforderung hat mich gereizt. Ich habe das nicht wegen des Geldes gemacht. Vor Ort war es nicht nur herausfordernd, sondern mitunter auch schwierig. Das hat auf Dauer müde gemacht.

Hatten Sie nie den Wunsch, große Klubs in Argentinien oder Europa zu trainieren?

Jeder Trainer möchte einmal einen großen Klub coachen. 1999 bin ich mit The Strongest bolivianischer Meister geworden. Das war mein erster Meistertitel als Trainer. Aber gegen Ende sind Dinge passiert, die mir nicht gefallen haben. Dann habe ich aufgehört. Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, wie viel Spaß mir mein heutiger Job als Kommentator für den amerikanischen Fernsehsender ESPN macht.

Wer ist für Sie der bessere, komplettere Fußballer? Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo?

Messi.

Warum läuft es für Messi aber in der Nationalmannschaft nicht wie gewünscht und von vielen Argentiniern erwartet?

Messi ist der beste Spieler auf der Welt. Und zum Glück ist er Argentinier. Er wird sich mit dem Nationaltrainer treffen und zusammensetzen, der sicherstellt, ihm die besten Kollegen zur Seite zu stellen, damit Argentinien zum dritten Mal Weltmeister wird. Ich bin keiner, der Messi Ratschläge gibt. Er muss machen, was er für richtig hält.

Was wünschen Sie der Vienna für die nächsten 125 Jahre?

In erster Line möchte ich auf das Herzlichste gratulieren. Ich freue mich mit dem Klub, allen Freunden und all jenen, die das blau-gelbe Trikot getragen haben, diesen Festtag am Donnerstag gemeinsam zu begehen. Die Vienna ist ein großartiger Traditionsverein. Ich wünsche mir, dass man weiter mit so viel Respekt, Anerkennung und Sympathie von der Vienna spricht. (apa)