Linz/Brügge. (art) Spricht man über den Linzer ASK und die Aufstiegschancen, die ihm die Papierform für das Champions-League-Play-off gegen Club Brügge einräumt, kommt man unweigerlich auf den Marktwert, der die Belgier mit rund 102 Millionen Euro als klare Favoriten ausweist. Und man kommt zu der weitaus größeren Europacup-Erfahrung Club Brügges. Doch spricht man über diese, landet man irgendwann unweigerlich erst recht bei einem Österreicher. Ernst Happel war es, der dem Verein international seine größten Erfolge bescherte: dreimal Meister zwischen 1976 und 1978, Finalist im Uefa-Cup sowie im Meistercup.

Philippe Clement will Brügge in die Champions League führen. - © afp/Bruno Fahy
Philippe Clement will Brügge in die Champions League führen. - © afp/Bruno Fahy

Auch wenn Happel, der bei Brügge unter anderem Edi Krieger, einen weiteren Österreicher, unter seinen Fittichen hatte, sich danach der niederländischen Nationalmannschaft widmete, hält man sein Andenken in der pittoresk anmutenden Stadt noch immer hoch. Denn so erfolgreich wie damals in den goldenen Siebzigern war der Klub danach nie wieder; zudem passte der fußballbesessene Grantler aus Wien idealtypisch zu dem Arbeiterverein, der dennoch immer wieder nach Perfektion strebte, die Rivalität zum bürgerlich geprägten RSC Anderlecht pflegte und in der flämischen Bevölkerung Beliebtheitswerte erreicht, wie sie sonst nur der Radsport für sich beanspruchen kann. Im Play-off-Hinspiel am Dienstag (21 Uhr/Dazn) weiß der österreichische Vizemeister das Publikum im Linzer Stadion auf seiner Seite - hier gilt es, sich für die Retourpartie im knapp 30.000 Zuschauer fassenden Jan-Breydel-Stadion, in dem ein Hexenkessel zu erwarten ist, eine günstige Ausgangslage zu verschaffen.

Davon dass das möglich ist, ist Valerien Ismael überzeugt. Der Trainer der Linzer hat schließlich schon in der dritten Qualifikationsrunde gegen den favorisierten FC Basel erlebt, dass seine Mannschaft keine Angst vor großen Namen kennt. "Der Fokus ist da auf unsere eigene Stärke, das hat sich nicht geändert gegenüber dem Basel-Spiel. Einziger Unterschied ist, dass sich der Glaube dahin gefestigt hat, dass wir jeden Gegner besiegen können, wenn wir bei 100 Prozent sind und alle ihre Leistung abrufen", sagt Ismael. Brügge beendete die Meisterschaft vergangene Saison wie der Linzer ASK auf Rang zwei, international war 2018/19 nach Rang drei in einer Champions-League-Gruppe mit Dortmund, Atletico Madrid und Monaco und dem Umstieg in die Europa League im Sechzehntelfinale gegen Salzburg (1:2, 0:4) Endstation.

"Sie spielen ähnlich wie Basel, verfügen aber über mehr Schnelligkeit und haben eine gute Ballsicherheit", analysiert Ismael. Mit dem 45-jährigen Philippe Clement ist seit dieser Saison ein neuer Coach am Werk. Der Belgier kam als Meistertrainer von Genk. "Er steht für Offensivfußball. Ich erwarte, dass sie ihre Philosophie durchsetzen, sie versuchen werden, uns unter Druck zu setzen", vermutet Ismael. Zu Gute kommen könnte seinem Team, dass beim 15-fachen belgischen Meister noch nicht alles reibungslos funktioniert. "Sie haben viele neue Spieler, es sitzt noch nicht alles ganz." Zu Happels Zeiten war das noch anders.