Mailand. (art) Johann Wolfgang von Goethe war schon vorher da, eh klar. Doch was für den Dichterfürsten Ende des 18. Jahrhunderts galt, konnte 200 Jahre (und mehr) später für Fußballer aus aller Welt nicht gänzlich falsch sein. Italien - das war lange Zeit ein Sehnsuchtsort. Heute allerdings ist die Serie A international etwas ins Hintertreffen geraten. Die englische Liga ist die finanzstärkste mit den höchsten Umsätzen, die deutsche die wirtschaftlich ausgeglichenste, die spanische jene, denen Analysten noch das größte Wachstumspotenzial einräumen. Und Italien? Eh schön, auch.

Klubpatrone vom alten Schlag, marode Stadien, mangelhafte Strukturen im Nachwuchs und immer wieder auch gewaltsame Ausschreitungen haben das Bild des Calcio in den vergangenen zehn Jahren geprägt. Zuletzt allerdings war wieder Besserung in Sicht. Auf sportlicher Ebene war es in den vergangenen Jahren vor allem Juventus Turin, das mit zuletzt acht Meistertiteln in Folge sowie den Champions-League-Finalteilnahmen 2015 und 2017 Ausrufezeichen setzte. Und auch auf dem Transfermarkt klopfte Juventus im vergangenen Jahr am lautesten mit der Faust auf den Tisch: Cristiano Ronaldo kam - und mit ihm die Hoffnung auf den großen Coup sowie einen nachhaltigen Aufschwung der Liga.

Beides sollte sich vorerst nicht erfüllen. Zwar rauschte Juve wieder zum Scudetto, in der Champions League war allerdings im Viertelfinale Schluss. Und Ronaldo musste sich mit Vergewaltigungsvorwürfen herumschlagen. Die Justiz legte den Fall aber mangels Beweisen zu den Akten. "Das war das schwierigste Jahr meiner Karriere", sagt der Portugiese.

Lazaro will mit Inter siegen

In der am Samstag beginnenden neuen Saison will er wieder durchstarten - und damit das diesmal gelingt, hat der Klub weiter investiert, sich mit dem niederländischen Abwehrmann Matthijs de Ligt, der für 75 Millionen Euro von Ajax kam, sowie den Mittelfeldspielern Aaron Ramsey und Adrien Rabiot verstärkt und zudem den 41-jährigen Tormann Gianluigi Buffon als Ersatzmann und Identitätsfigur zurückgeholt. In Maurizio Sarri hat außerdem nach der Erfolgsära von Massimiliano Allegri ein neuer Trainer das Kommando übernommen. Freilich hat auch die Konkurrenz im italienischen Sommer nicht geschlafen. Selbst Klubs, die wohl keine Rolle im Titelkampf spielen werden, haben klingende Namen geholt: Fiorentina etwa Ex-Bayern-Star Franck Ribéry, Brescia Mario Balotelli. Die größten Chancen, Juventus herauszufordern, haben Vizemeister Napoli, die AS Roma und Inter, 2010 bisher letzter Champions-League-Sieger aus Italien.

Der Belgier Romelu Lukaku, für 65 Millionen aus Manchester geholt, soll Mailand ebenso wieder zur Modestadt machen wie Diego Godin; unter den Neuen befindet sich auch ein Österreicher. 22 Millionen Euro überwies der Verein an Hertha, um Valentino Lazaro zu verpflichten. Es ist die zweithöchste Summe, die je für einen Österreicher geflossen ist. Das und dass er nun Seite an Seite mit Weltstars wie Lukaku ("Ein Supertyp, mit dem man viel zu lachen hat") und unter Coach Antonio Conte spielen darf, empfindet er nicht als Druck, sondern als Ehre, wie er in einem Interview mit der Austria Presse-Agentur sagte. Auch sonst gibt er sich selbstbewusst: "Ich habe vor, in meiner Zeit in Mailand auch Titel zu gewinnen." Diese Sehnsucht freilich teilen viele.