Wien. Es sei eine "verrückte Situation", sagt Teamchef Franco Foda – für ihn ist sie aber vorerst nicht zu ändern. Dass Heinz Lindner, der etatmäßige Einser-Tormann im ÖFB-Team, nach Auslaufen seines Vertrages bei den Grasshoppers Zürich noch keinen neuen Verein gefunden hat, stößt bei Foda auf Unverständnis. Der Teamchef will das Beste daraus machen, Lindner Zeit zur Jobsuche geben – und hat derweil für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele gegen Lettland und Gruppe-G-Tabellenführer Polen am 6. beziehungsweise 9. September den Kampf ums Einserleiberl ausgerufen.

In Frage kommen Cican Stankovic, Pavao Pervan oder der erstmals ins A-Team einberufene Alexander Schlager. Seine Entscheidung will Foda beim Trainingslehrgang in Saalfelden in der kommenden Woche fällen. "Alle Drei, die nominiert wurden, haben eine Chance", sagt der Teamchef.

Was sie zwar nicht haben, ist Länderspielerfahrung im A-Team. Routine auf hohem Niveau fehlt vor allem Stankovic und Schlager aber nicht. Der eine ist Stammtorhüter beim überlegenen Serienmeister Salzburg, der andere beim Vize Lask, hat sowohl in der Champions-League-Qualifikation als auch in der Meisterschaft und bei der U21-EM starke Leistungen gebracht. Pervan indessen steht immerhin beim deutschen Bundesligisten Wolfsburg unter Vertrag, ist dort allerdings nur Ersatz.

Mittelfristig will Foda freilich auch auf die Routine Lindners nicht verzichten, der 29-Jährige werde "weiter eine wichtige Rolle" spielen. Nach einem Telefonat mit Lindner sei man aber übereingekommen, dass dessen Konzentration vorerst auf der Vereinssuche liegen solle.

Hinterseer im Sturm dabei

Ungleich größer als im Tor sind Fodas Auswahlmöglichkeiten in der Innenverteidigung. Der Deutsche entschied sich wie zuletzt im Juni für die Deutschland-Legionäre Aleksandar Dragovic, Martin Hinteregger, Stefan Posch und Philipp Lienhart. Das Quartett erhielt den Vorzug gegenüber Southamptons Kevin Danso, Österreich-Rückkehrer Maximilian Wöber oder Lask-Kapitän Gernot Trauner.

Auch für den unter Foda lange gesetzten Sebastian Prödl, der bei Watford nicht zum Zug kommt, gibt es unter Hinweis auf dessen "schwierige Situation" vorerst keinen Platz. "Hinten wollte ich auf Altbewährtes setzen", erklärt Foda. "Die Innenverteidiger haben bei den letzten Länderspielen einen sehr guten Eindruck hinterlassen."

Den Angriff soll indessen Lukas Hinterseer beleben. Der 28-Jährige vom HSV wurde nach dem Teamrücktritt von Guido Burgstaller neben China-Legionär Marko Arnautovic und Michael Gregoritsch erstmals seit November 2016 wieder nominiert. "Er war immer auf unserer Liste. Jetzt hat er nochmal eine Entwicklung nach vorne gemacht", sagt Foda.