Brügge. (apa/art) Die erste gute Nachricht ereilte Alexander Schlager schon vor dem Abflug nach Belgien, die zweite, die er sich erhofft, hat er am Mittwoch ein bisschen auch selbst in der Hand. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Gestärkt durch seine erstmalige Einberufung ins A-Nationalteam durch Franco Foda für die EM-Qualifikationsspiele gegen Lettland und Polen hob der 23-jährige Tormann in Richtung Brügge ab, wo er und seine Mannschaftskollegen vom österreichischen Vizemeister Linzer ASK gegen Club Brügge (21 Uhr/Sky) um die erstmalige Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase kämpfen.

Aus dem Hinspiel gilt es ein - unglücklich zustande gekommenes - 0:1 aufzuholen, nach den im Hinspiel sowie am Samstag in der Bundesliga beim 2:1-Sieg über Rapid gezeigten Leistungen scheint das alles andere als ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Für Schlager sei mit der Teameinberufung "ein Kindheitstraum" in Erfüllung gegangen, mit dem er nicht gerechnet habe, wie der 23-Jährige betonte. "Im ersten Moment habe ich gedacht: ,Pff, ich bin’s‘", sagte er. Im zweiten freilich galt der Fokus wieder seiner Aufgabe mit den Linzern. Während Schlager hinten für Sicherheit sorgen soll, hat Trainer Valérien Ismaël im Sturm die Qual der Wahl. Dass der Doppeltorschütze von Wien, Marko Raguz, in Brügge anstelle von Joao Klauss wieder von Beginn an spielen könnte, wollte der Trainer weder bestätigen noch verneinen. "Er hat bestätigt, dass er sehr viel Potenzial hat. Aber er muss noch physisch zulegen", meinte Ismaël, der ansonsten wohl auf seinen gewohnten Stamm zurückgreifen wird. Auch Verteidiger Philipp Wiesinger, der in Wien einen Bruch des Mittelhandknochens erlitt, ist dabei. Ismaël: "Er spielt mit dem Fuß, nicht mit der Hand."

Alexander Schlager: Folgt nun der Check-in in der Champions League? - © apa/Herbert Neubauer
Alexander Schlager: Folgt nun der Check-in in der Champions League? - © apa/Herbert Neubauer

Vollen Einsatz fordert er auch im Rückspiel, wenngleich er den Druck von seiner Mannschaft nehmen will - und das mit gutem Grund. Denn auch im Falle eines Nicht-Aufstiegs hätten die Linzer als Play-off-Teilnehmer den Umstieg in die Gruppenphase der Europa League sicher. "Wir haben gar keinen Druck. Wir sind jetzt natürlich am Zug, aber das ändert nichts an unserer Ausrichtung", betonte Ismaël. Es sei im Prinzip ganz einfach: "Für uns ist es ein Finale, es gibt kein weiteres Spiel."

"Einer muss drinnen sein"

Kräfteeinbußen habe die fordernde Partie in Hütteldorf laut dem Trainer nicht mit sich gebracht. "Es sind drei komplette Tage zwischen den Partien. Das brauchen die Spieler, um wieder voll auf Kraft zu kommen. Das wird also kein Problem sein", sagte der Franzose. Dazu sei das "positive Adrenalin" durch den Sieg in letzter Sekunde gekommen. "Es ist alles gelaufen, wie man sich das als Trainer wünscht. Wir haben gezeigt, dass wir mit aller Macht gewinnen wollen." Ähnlich sieht es Kapitän Gernot Trauner. "Es ist super für den Kopf, dass wir wissen, dass wir auch in der letzten Minute noch ein Spiel entscheiden können. Wir sind voll im Saft, ich traue uns den Aufstieg durchaus zu", sagte der 27-Jährige.

Neben gestiegener Effizienz wird dafür aber auch eine glücklichere Schiedsrichterleistung vonnöten sein. Denn zwei Faktoren waren es, die dem Linzer ASK am vergangenen Dienstag das 0:1 bescherten: höchst umstrittene Entscheidungen, von denen eine zum Treffer Brügges aus einem Elfer führte, aber auch mangelnde Effizienz. Mit Ersterem wollte sich Ismaël nicht besonders auseinandersetzen. "Es geht schon auch darum, dass wir uns dagegen wehren. Aber wir dürfen nicht jammern", sagte der einstige Bremen- und Bayern-Kicker. Noch wichtiger werde freilich sein, die eigenen Chancen besser zu nützen. Nach der Analyse des Hinspiels wiederholte Ismaël, was er schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff gesagt hatte: "Wir müssen das besser machen. Wir hatten 14 Chancen, von denen zwar nicht jede aufs Tor war, aber da muss Minimum einer drinnen sein."

Ebenso wichtig wird freilich die Sattelfestigkeit in der Abwehr sein. An Motivation mangelt es den Spielern jedenfalls nicht. Dafür hätte es nicht einmal die Teameinberufung Schlagers gebraucht.