Wien. Die Saison ist bisher durchwachsen verlaufen, die Vorfreude ist dennoch groß - sowohl bei Rapid als auch bei der Wiener Austria, die am Sonntag (17 Uhr) den Erzrivalen in der Generali Arena empfängt. Klaren Favoriten gibt es diesmal keinen, in der Tabelle liegen die sechstplatzierten Rapidler zwei Punkte vor der Austria. Für Dietmar Kühbauer, den Coach der Grün-Weißen, geht es aber um mehr als nur um Punkte. "In so einem Spiel kann man sehr viel gewinnen. Ein Sieg wäre abgesehen von den drei Punkten für die Moral unglaublich wichtig", erklärte der Ex-ÖFB-Internationale. Bei den Aussichten rettete aber auch er sich in Floskeln. "Wir fahren nach Favoriten, um ein gutes Match abzuliefern", sagte er.

Immerhin wäre das mehr, als im Dezember im Derby bei der Austria gelungen ist. Damals setzte es in der Generali Arena ein historisches 1:6-Debakel, dazu kamen die umstrittenen Anhaltungen der Rapid-Fans durch die Polizei. Diesmal soll der Abend an der Südosttangente sowohl für die rund 1750 grün-weißen Anhänger, die eine neue Route nehmen, als auch für die Rapid-Spieler angenehmer verlaufen. "Wir wollen so auftreten, dass wir nach der Partie alle miteinander feiern können", meinte Kühbauer.

Bisher gab es für Rapid in diesem Sommer wenig Grund zum Jubeln, wie der Coach gestand. "Natürlich hätten wir gerne den einen oder anderen Punkt mehr, und es wäre absolut mehr drin gewesen. Aber ich empfinde die Situation nicht als besorgniserregend. Nüchtern gesehen kann und muss es bei uns besser gehen, doch ich mache mir keine Sorgen. Jetzt den Teufel an die Wand zu malen, dafür ist die Saison zu jung."

Gänzlich sorgenfrei kann der 48-Jährige aber allein schon aufgrund der Personalsituation nicht sein - mit Srdan Grahovac, Richard Strebinger, Mario Sonnleitner, Maximilian Hofmann und Thorsten Schick fallen fünf wichtige Kicker aus, vor allem in der Innenverteidigung ergibt sich dadurch ein Problem. Zudem kommt, dass Offensivkräfte wie Aliou Badji außer Form sind. "Dass er nicht die Leichtigkeit hat, die ihn im Frühjahr ausgezeichnet hat, wissen wir auch. Aber ich vertraue jedem Spieler", sagte Kühbauer über den Stürmer. Ein möglicher Ersatz für Badji wäre der Japaner Koya Kitagawa. "Er wird von Tag zu Tag besser. Man sieht, dass er ein guter Fußballer ist", berichtete Kühbauer.

Kennenlernen im Go-Kart

Um den Japaner ebenso wie den anderen Neuzugängen die Integration zu erleichtern, organisierte Kapitän Stefan Schwab zusammen mit Kollegen gemeinsame Aktivitäten der Spieler - so wurde in dieser Woche etwa Go-Kart gefahren. "Das sind Sachen, die wichtig sind, um die Spieler persönlich besser kennenzulernen, nicht nur in der Kabine und auf dem Platz", erklärte Schwab. Der Mittelfeldspieler steht vor seinem 18. Liga-Derby, wobei er mit Rapid die beiden Vorsaison-Duelle mit dem Erzrivalen verlor. "Die Mannschaft steht jetzt in der Pflicht dem Verein, den Fans und sich selbst gegenüber, um eine gute Leistung abzuliefern", betonte Schwab.

Vorfreude bei Ilzer

Bei der Austria ist die Situation zwar nicht wirklich anders, dennoch regiert bei Kühbauers Pendant Christian Ilzer die Vorfreude auf sein erstes Derby. "Das Wiener Derby war schon als Kind für mich ein Spiel, das ich mit großer Begeisterung verfolgt habe. Und auch später als Spieler und Trainer habe ich das Derby mit großem Interesse geschaut", erzählte er. "Speziell ein Derbysieg könnte eine ganz besondere Strahlkraft haben und uns speziellen Rückenwind geben", sagte Ilzer. "In diesem Derby kann man noch einmal Extraprozente an Leistungsfähigkeit aus sich rauskitzeln." An Bereitschaft soll es seinem Team nicht mangeln, hinter der Stabilität steht noch ein Fragezeichen. In der Liga hat die Austria noch nicht zu Null gespielt. "Das ist für uns natürlich ein permanentes Thema", sagte Ilzer, verweist aber auch auf die Verletztenmisere im Abwehr-Zentrum. Die vier Innenverteidiger Michael Madl, Christian Schoissengeyr, Alexandar Borkovic (jeweils verletzt) und der gesperrte Erik Palmer-Brown fehlen. In Jammerei wollte er aber nicht verfallen. Dazu ist die Vorfreude zu groß. (apa/red)