Saalfelden. Österreich sucht einen neuen Fußball-Nationaltormann. In Abwesenheit des vereinslosen Heinz Lindner werden am Freitag (20.45 Uhr/live ORF 1) in der EM-Qualifikation in Salzburg gegen Lettland entweder Cican Stankovic, Pavao Pervan oder Alexander Schlager das ÖFB-Tor hüten. Keiner aus dem Trio hat bisher ein Länderspiel bestritten, alle drei höchst unterschiedlichen Keeper wissen um ihre Chance.

In der aussichtsreichsten Position scheint Stankovic. Der 26-Jährige von Meister Salzburg steht seit über einem Jahr regelmäßig im ÖFB-Kader. Das Länderspiel-Debüt in Salzburg zu geben, würde zwar fast kitschig, aber logisch erscheinen. "Wenn ich ehrlich bin, dann sind sie schon sehr groß", sagt Stankovic über seine Hoffnungen auf einen Einsatz. Die Konkurrenz sei aber groß. "Die anderen Torhüter machen ihre Arbeit auch sehr gut."

Geduld hat sich gelohnt

Stankovic hat sich in Salzburg lange hinter Alexander Walke und im ÖFB-Team hinter Lindner anstellen müssen. "Ich musste sehr viel Geduld aufbringen die letzten Jahre, das war nicht immer leicht", erklärt der Niederösterreicher. Er sei dabei immer positiv geblieben, habe versucht, sich zu verbessern. "Geduld wird belohnt, wenn man sich nicht aufregt und den Grantigen spielt. Ich hoffe natürlich, dass mir das zugutekommt."

Dazu könnte ihm helfen, dass er viele Vorderleute aus Salzburg gut kennt - etwa Rechtsverteidiger Stefan Lainer oder Innenverteidiger Martin Hinteregger. Weiterentwickelt habe er sich laut eigenen Angaben vor allem spielerisch. Dafür gibt es beim Serienchampion in der Bundesliga auch weniger Bälle zu halten. Stankovic: "Man muss umso konzentrierter sein, weil man Fehler nicht mehr ausbessern kann." Im Nationalteam habe er Lindner immer unterstützt, betont Stankovic.

In der Ruhe liegt die Kraft

Pervan bestätigt den "respektvollen" Umgang miteinander im aktuellen Torhüter-Team. "Es ist eine besondere Situation, aber ich spüre keinen wahnsinnigen Konkurrenzkampf." Die Kraft des Wolfsburg-Legionärs ist die Ruhe, die er ausstrahlt. Dazu ist er mit 31 Jahren der erfahrenste Tormann im aktuellen Aufgebot.

In Wolfsburg erhält Pervan als Ersatz für den belgischen Topkeeper Koen Casteels, der in den kommenden Wochen verletzt ausfällt, zwar nur unregelmäßig Spielpraxis. Der 2018 erfolgte Schritt nach Deutschland hat sich für den früheren Lask-Kapitän dennoch ausgezahlt. "Das Tormanntraining ist etwas ganz anderes. Man kann sehr viel lernen. Der tägliche Trainingsbetrieb macht dich besser." Das sei nicht zuletzt der hohen Qualität im Wolfsburg-Kader geschuldet.

International Erfahrung gesammelt

Von der hat sich indessen Schlager auch im Nationalteam bereits überzeugt. Der 23-Jährige ist erstmals einberufen. "Es ist eine Riesenehre, hier dabei zu sein. Innerlich war es immer ein Riesenziel. Ich probiere, alles aufzusaugen", sagt der Salzburger, der nicht nur bei der U21-EM in Italien, sondern zuletzt auch beim Lask - dort war er bis vor einem Jahr Pervans Ersatzmann - vermehrt aufgezeigt hat.

In der Champions-League-Qualifikation gegen Basel und Brügge sammelte Schlager im August wichtige internationale Erfahrung. "Jedes große Erlebnis prägt dich. Du wirst ruhiger, auch für den Kopf", meint der langjährige ÖFB-Nachwuchskeeper. "Das macht die Situation entspannter." So geht er auch an die bevorstehende Entscheidung von Teamchef Franco Foda heran, wer gegen Lettland und drei Tage später in Polen das Tor hüten darf. "Natürlich ist eine Chance da, aber jeder von uns drei will sich empfehlen."

"100 Prozent Vertrauen"

Peter Schöttel macht sich daher auch keine Sorgen. "Auch wenn keiner der drei ein Länderspiel bestritten hat, hätten wir zu jedem 100 Prozent Vertrauen", betont der ÖFB-Sportdirektor. Alle drei Torhüter hätten ihre Vorzüge. Schöttel: "Cican ist bei Red Bull Salzburg die Nummer eins und bringt schon über einen längeren Zeitraum seine Leistungen." Schlager hätte in Kombination mit dem Lask ein tolles Jahr gehabt. "Er war bei der U21-EM ein starker Rückhalt und hat auch in den Champions-League-Quali-Spielen gezeigt, was er kann", meint der Sportdirektor.

Dazu komme Pervan. "Pavao ist der Erfahrenste von allen. Das Jahr in Wolfsburg hat ihm sehr gut getan. Er ist einer, der sehr viel Ruhe ausstrahlt." Es sind drei völlig unterschiedliche Charaktere - aber nur einer wird Austria's next Teamtormann. (apa)