Aus im Europacup, Derby-Pleite gegen Rapid, nur Liga-Platz acht mit fünf Punkten: Den Saisonauftakt der Austria hätte sich Neo-Sportvorstand Peter Stöger wohl anders vorgestellt - vor dem Duell mit dem WAC am Sonntag (17Uhr), dem Ex-Klub von Coach Christian Ilzer, stand der 53-Jährige der "Wiener Zeitung" Rede und Antwort.

"Wiener Zeitung": Herr Stöger, ist es richtig, wenn man sagt: Der spektakulärste Bundesliga-Transfer heuer war Peter Stöger zur Austria?

Peter Stöger: Ich nehme mich nicht so wichtig. Es war eine gute Entscheidung von beiden Seiten, es zu versuchen, aber ob das so spektakulär ist, glaube ich nicht.

Meine Frage zielt auch darauf ab, ob Ihr Vertrag als Vorstand eine Ausstiegsklausel oder Ablösesumme beinhaltet wie bei Spielern.

Vorstandspositionen sind etwas anderes, das ist auch kein Trainerjob in dem Sinn. Ich bin auch kein klassischer Trainer, ich habe schon viel im Fußball gemacht - ich war ja schon einmal bei der Austria Sportdirektor, also so ähnlich wie jetzt.

Da ist seither viel passiert, vor allem Ihre erfolgreichen Trainerzeiten bei Köln und Dortmund. Sie haben zuletzt etwas grantig reagiert auf die Frage, warum tut er sich das bei der Austria an - Sie meinten, das wäre respektlos, weil dies ein Top-Job in Österreich wäre. Aber gemeint war ja wohl, warum Ihr nächster Schritt nicht ein weiterer Klub im Ausland war.

Ja, das weiß ich schon, ich habe es ja auch nicht als Angriff auf meine Person empfunden. Ich verteidige halt unser Land und unseren Sport. Wir neigen dazu, unsere Sachen schlechterzumachen, als sie sind. Unser Nationalteam ist wieder top unterwegs und wird sich wahrscheinlich für die EM qualifizieren; unsere U21 war bei einem großen Turnier dabei; wir haben fast 50 Spieler am deutschen Markt; wir haben gute Trainer im Ausland; und wir haben jetzt drei Mannschaften in der Europacup-Gruppenphase. Da wird gut gearbeitet - mir schmeckt daher so etwas nicht. Der Posten hier bei der Austria ist etwas ganz Großes, ich kenne kaum jemanden, der den Job nicht machen würde.

Aber wenn jetzt mitten in der Saison Manchester United oder ein deutscher Spitzenklub anklopft: Würden Sie dann wechseln? Oder sind Sie verpflichtet, den Vorstandsvertrag bis 2021 zu erfüllen?

Also im Sport ist man im Grunde zu gar nichts verpflichtet. Wir reden im Fußball immer von Vereinstreue - aber immer nur bei jenen, wo wir es schade finden, dass sie gehen. Aber dann gibt es auch viele, die gerne bei Spitzenklubs bleiben würden, aber weggeschickt werden. Über die redet kein Mensch! Das ist keine Einbahnstraße, das ist halt so. Der Fußball ist so schnelllebig geworden, du kannst im Grunde nichts garantieren. Deswegen betrachte ich das nüchtern und sage: Ich kann gar nichts ausschließen. Der Grundzugang hier bei der Austria ist aber schon, dass die Zusammenarbeit längerfristig ist.