Auch wenn Red Bull Salzburg fast 15 Jahre auf diesen Moment warten musste - einen recht viel besseren Zeitpunkt für den Einstand in der Champions League hätte es eigentlich kaum geben können: Wenn am Dienstag zum Auftakt der Gruppe E der belgische Meister KRC Genk in Salzburg gastiert (21 Uhr/Sky), trifft er wohl auf die schlagkräftigste Salzburg-Elf der Vereinshistorie. Schon insgesamt 34 Mal mussten heuer die Bundesliga-Gegner den Ball aus dem eigenen Netz fischen - was einem im modernen Fußball fast sagenhaften Torschnitt von 4,9Treffern pro Match entspricht. Am Samstag bekam bei der Generalprobe für die große europäische Bühne der TSV Hartberg die offensive Macht der Salzburger zu spüren, der mit einer 2:7-Packung zurück in die Oststeiermark geschickt wurde.

Treff-Ass ist dabei das norwegische Supertalent Erling Haaland, der am Samstag mit einem Triplepack seine Führung in der Torschützenliste (elf Treffer) weiter ausgebaut hat. Bezeichnend, dass der 19-jährige Sturmtank trotz seiner Gala unzufrieden war: "Ich hätte heute fünf, sechs Tore machen können und muss meine Chancen besser nutzen, also es gibt viel Verbesserungspotenzial."

Kommt die Salzburger Tormaschine auch zum Königsklassen-Auftakt ins Rollen, ist ein Sieg gegen die schwach gestarteten und nur auf Rang neun liegenden Belgier möglich. Zumal ein Heimsieg gegen den vermeintlich schwächsten Gegner (schließlich warten noch Titelverteidiger Liverpool und Napoli) Pflicht ist, will man das Minimalziel Rang drei und damit den Umstieg im Frühjahr in die Europa League schaffen.

Die Anspannung und die Vorfreude waren vor dem historischen Tag gleichermaßen spürbar. "Bis jetzt haben wir zwar öfter über die Champions League gesprochen, hatten aber andere Spiele vor der Nase. Jetzt geht es wirklich los. Wir sind bereit für Dienstag", sagte Neo-Trainer Jesse Marsch, der vor allem den Einsatzwillen seiner Truppe lobte. "Ich bin sehr stolz auf die Mentalität der Mannschaft. Vor allem, dass es die Spieler immer wieder schaffen, in Momenten, in denen mehr erforderlich ist, auch mehr zu geben", sagte der US-Amerikaner, der das Salzburger Offensivpressing noch einmal verfeinert hat. Damit soll auch gegen den belgischen Meister der Erfolg gelingen, wiewohl mit deutlich mehr Gegenwehr als hierzulande in der Liga gerechnet werden muss. "Sie sind gut im Ballbesitz, das ist eine große Herausforderung für unser Pressingspiel", so Marsch, "wir müssen für einen harten Kampf gegen ein gutes Team bereit sein."

Nicht nur die Statistik - Salzburg hat drei der jüngsten vier Duelle mit belgischen Klubs gewonnen und ist seit 18 Europacup-Spielen zu Hause ungeschlagen -, auch die Ersatzbank spricht für Salzburg. Während die Hausherren ihre beste Elf aufbieten können, muss Felice Mazzù um seine angeschlagenen Offensivkräfte Mbwana Samatta und Joseph Paintsil bangen.

Schlager in Dortmund

Der große Hit am ersten Tag der neuen Champions-League-Saison steigt aber in Dortmund, wo der BVB den FC Barcelona empfängt (21 Uhr/Sky). Ob Superstar Lionel Messi zum ersten Saisoneinsatz kommt, ist aber noch offen. Der an der Wade blessierte Argentinier hat jedenfalls voll mittrainiert und saß im Mannschaftsflieger nach Deutschland. (may)