Im ersten Moment wähnte sich Red Bull Salzburgs Trainer Jesse Marsch wie in einem "Traum", im zweiten machte er aber schon klar, dass er nicht gedenkt, so bald daraus zu erwachen. Stattdessen sandte der vor der Saison nicht unkritisch beäugte US-Amerikaner nach dem 6:2 über den belgischen Meister Genk in der Champions League gleich eine Kampfansage an die Konkurrenz in Gruppe E: "Ich habe vor einem Monat schon gesagt, dass in dieser Gruppe etwas möglich ist, jetzt haben wir einen Super-Start hingelegt. Es war kein perfektes Spiel, wir können noch besser spielen. Wichtig wird sein, dass wir für die nächsten Herausforderungen lernen."

Denn diese kommen bestimmt: In zwei Wochen gastieren die Salzburger bei Titelverteidiger Liverpool, der nach der 0:2-Niederlage gegen Napoli schon zum Auftakt unter Druck steht, danach folgt das Heimspiel gegen die Italiener.

Zunächst durfte das Fest aber auch gefeiert werden, wie die Tore gefallen sind: Schon in der zweiten Minute brachte der überragende Norweger Erling Haland die Gastgeber in Führung, es folgten zwei weitere Treffer des 19-Jährigen (34., 45.) sowie je eines von Hwang (36.), Szoboszlai (45+2) und Kapitän Andreas Ulmer (66.). Aufseiten der auch in der nationalen Liga sehr schwach gestarteten Belgier gelang Lucumi (40.) und Mbwana Samatta (52.) nur Ergebniskosmetik.

Die Salzburger im Freudentaumel: Vor den Augen von Mäzen Didi Mateschitz gelang ein traumhafter Einstand in der Champions League.  - © APAweb / Krugfoto
Die Salzburger im Freudentaumel: Vor den Augen von Mäzen Didi Mateschitz gelang ein traumhafter Einstand in der Champions League.  - © APAweb / Krugfoto

Gesprächsthema Nummer eins war aber Haland: Der norwegische Teamstürmer stieß damit in einen illustren Kreis vor, dem etwa der englische Ex-Teamstürmer Wayne Rooney angehört. Der Führende der Bundesliga-Schützenliste setzte seinen unglaublichen Traumlauf fort und hält nach neun Pflichtspielen bei 17 Saisontoren (11 Liga, 3 ÖFB-Cup, 3 Champions League).

Höchster Sieg in der Königsklasse

Der zehnte Sieg eines österreichischen Teams in der Königsklasse war zugleich der höchste überhaupt. Die zu Hause mittlerweile 69 Pflichtspiele ungeschlagenen Salzburger führen damit die Gruppe E nach der ersten Runde vor Napoli an.

Der lang ersehnte erste Auftritt der Salzburger in der Champions League hätte nicht besser beginnen können. Nach etwas mehr als einer Minute zappelte der Ball bereits im Netz. Der von Antoine Bernede bediente Takumi Minamino steckte ideal auf Haaland durch, der aus rund acht Metern vollendete. Es war das früheste Tor eines österreichischen Clubs in der CL-Geschichte. Die Belgier wurden bei einem Abschluss von Bryan Heynen (10.) erstmals gefährlich und bekamen die Partie etwas in den Griff. Allerdings nur bis zum zweiten Gegentreffer. Die Salzburger schalteten schnell um, der Ball kam via Hwang neuerlich zu Haaland und der 19-Jährige schloss wieder eiskalt ab und traf via Innenstange.

Das 3:0 wurde durch Zlatko Junuzovic eingeleitet, der in einen Ball sprang und damit Hwang bestens einsetzte, der Genk-Tormann Gaetan Coucke keine Chance ließ. Durch einen Eigenfehler der Hausherren konnten auch die Belgier erstmals anschreiben. Die Salzburger brachten den Ball nach einem Freistoß nicht weg und Lucumi staubte aus elf Metern im Rutschen ab.

Noch vor der Pause machte die Marsch-Truppe aber den Sack mittels Doppelschlag zu. Nach Hwang-Vorarbeit vollendete Haaland in der Mitte aus kürzester Distanz. Das 5:2 wurde durch einen Ramalho-Abwehrkopfball am eigenen Sechzehner eingeleitet und nach laufintensiver Vorarbeit von Minamino von Szoboszlai mit einem Volleyschuss vollendet. Die Salzburger sind erst die siebente Mannschaft, der in der Champions League fünf Tore in der ersten Halbzeit gelangen.

Eine Klasse stärker

Die zweite Hälfte hätte beinahe ähnlich der ersten begonnen. Schon nach wenigen Sekunden scheiterte Hwang bei einer Topchance an Coucke. Auf der anderen Seite landete das Leder im Tor, wie schon zuletzt in der Liga waren die Salzburger in der einen oder anderen Situation unkonzentriert. Nach einer Bongonda-Hereingabe kam Wöber zu spät und Samatta köpfelte zum 2:5 ein. Spannend wurde es deshalb aber nicht mehr. Die Hausherren waren mindestens eine Klasse stärker und besserten ihr Torverhältnis noch einmal auf. Nach schönem Doppelpass mit Junuzovic trug sich auch noch Routinier Ulmer in die Schützenliste ein.

Salzburg gewann damit alle zehn bisherigen Pflichtspiele unter Marsch. Im Europacup ist sein Team zu Hause jetzt schon 19 Spiele unbesiegt. (art/apa)