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Es war zweifelsohne eine der erfolgreichsten Wochen in der Geschichte des österreichischen Klubfußballs - das derzeit inflationär auftauchende Wort "historisch" darf durchaus zurecht bemüht werden: Zuerst schießt Salzburg den belgischen Meister KRC Genk zum Champions-League-Einstand mit 6:2 aus der Bullen-Arena; danach feiert Vizemeister Lask gegen den norwegischen Titelträger Rosenborg Trondheim beim Heim-1:0 in der Europa League den ersten Erfolg in einem europäischen Hauptbewerb seit 34 Jahren; und schließlich sorgt auch noch der dritte heimische Europacup-Vertreter WAC beim 4:0-Triumph in Gladbach für eine gewaltige Sensation - gleichbedeutend mit dem höchsten rot-weiß-roten Sieg über einen deutschen Vertreter in der Fußball-Geschichte.

Nach dieser Sternstunde der oftmals als "Operettenliga" verspotteten Bundesliga kommt es ebendort nun zum großen Schlager zwischen Tabellenführer und erstem Verfolger, zwischen Meister und Vizemeister, zwischen Salzburg und Lask. Die Paschinger Raiffeisen-Arena mit nur 6000 Plätzen wird dem Gipfeltreffen am Sonntag (17 Uhr/Sky) zwar nicht unbedingt gerecht, die dichte Atmosphäre hat aber schon viele Gäste der heimstarken Linzer Athletiker beeindruckt. Nicht so den Serienmeister, der lediglich im April 2018 die einzige (0:1)-Niederlage (bei zuletzt insgesamt acht Begegnungen) hinnehmen musste - da wiederum steckte der Red-Bull-Truppe noch das Europa-League-Viertelfinale gegen Lazio Rom in den Knochen. Am Sonntag dürfte jedoch die vorangegangene Europacup-Nacht zugunsten von Erling Haaland und Co. sprechen, zumal die Salzburger Kicker zwei volle Tage mehr Zeit zum Regenerieren hatten. Eine kleine Ewigkeit im modernen Fußball.

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Allerdings könnte der Shootingstar aus Norwegen, auf dessen Konto heuer bereits elf Liga-Treffer gehen und der am Freitag zum Uefa-Champions-League-Spieler der Woche gewählt wurde, beim Schlagerspiel eine Zwangspause verordnet bekommen. Wegen einer fiebrigen Verkühlung konnte er am Freitag nicht mittrainieren, sein Einsatz am Sonntag ist fraglich. "Es ist aber nicht so schlimm, ich hoffe, dass es sich für Sonntag ausgeht", meinte Salzburg-Trainer Jesse Marsch.

Bester Sturm gegen beste Verteidigung

Für die Offensivpower seiner Truppe wären die Vollstreckerqualitäten des 19-Jährigen jedenfalls nötig, immerhin trifft in Pasching die beste Offensive (34 Treffer in 7 Partien) auf die beste Defensive (der Lask kassierte erst drei Gegentore). So oder so kündigte Marsch Veränderungen ("ein bisschen Rotation") an, zumal am Mittwoch mit dem Cup-Schlager gegen Rapid das nächste Schlüsselspiel wartet. "Wir haben vorne so viele Optionen, so viel Talent", meinte der 45-jährige US-Amerikaner. Die Linzer seien seiner Ansicht nach auch heuer wieder die schärfsten Konkurrenten um den Meistertitel und vor allem bei den Standards brandgefährlich: "Das ist gegen den Lask vielleicht das wichtigste Thema."

Die Blumen gibt sein Pendant Valérien Ismaël gerne zurück: "Salzburg ist ein großer Gegner, aber durch den Sieg haben wir Selbstvertrauen getankt und alle Energie für das Spiel freigesetzt", meinte der Lask-Coach nach dem hart erkämpften Erfolg gegen Rosenborg. Doch nun warte die nächste Herausforderung: "Das wird ein großer Fight, ein extrem intensives Spiel. Wir sind bereit. Wir wollen zeigen, dass, wenn eine Mannschaft in der Lage ist, Paroli zu bieten, wir es sind", erklärte der Franzose, der - anders als in der Europa League - wieder auf den gesperrten Kapitän Gernot Trauner zurückgreifen kann.

Dass auch der Lask - wie zuletzt die anderen Bundesliga-Teams - unter die Räder kommen könnte, glaubt Mittelfeldmotor Peter Michorl nicht: "Wir haben schon oft gezeigt, dass wir Salzburg Paroli bieten können."