Nicole Billa (hier im Spiel gegen Nordmazedonien) ist aktuell Dominik Thalhammers größte Torhoffnung. Foto: apa/Hans Punz - © apa/Hans Punz
Nicole Billa (hier im Spiel gegen Nordmazedonien) ist aktuell Dominik Thalhammers größte Torhoffnung. Foto: apa/Hans Punz - © apa/Hans Punz

Lücken suchen, Lücken aufreißen, finden, Lücken nützen, das ist quasi das Kerngeschäft von guten Angreifern und Angreiferinnen im Fußball. Nicole Billa gehört in dieser Branche zweifelsfrei zu den sehr guten. Doch die Lücke, die der Abgang ihrer langjährigen ÖFB-Teamkollegin Nina Burger im österreichischen Nationalteam riss, war keine kleine. Fast auf den Tag genau vor einem halben Jahr hat diese ihre Teamkarriere beendet, bis dahin hat Burger 53 Tore in 109 Länderspielen erzielt, womit sie einen einsamen Rekord im ÖFB (bei Frauen wie Männern) hält. Schon damals prognostizierten viele, dass Billa am geeignetsten wäre, in die großen Fußstapfen zu treten.

Wie gut sie dabei ist, Lücken zu finden, hat sie jedenfalls am Dienstagabend im EM-Qualifikationsspiel gegen Serbien in Nis wieder einmal unter Beweis gestellt: Beim 1:0-Sieg der Österreicherinnen, dem zweiten Sieg im zweiten Gruppenspiel der Österreicherinnen, erzielte sie den Siegestreffer, und einen besonders sehenswerten noch dazu: Bei einer Flanke von Laura Feiersinger stand sie fast schon zu weit vorne, konnte den Ball aber in einer Drehung durch einen Seitfallzieher noch annehmen. "Triff ihn nur bitte schön", habe sie gedacht, "dann wird er schon drin sein" - und das war er.

Nächstes Spiel gegen Nordmazedonien

Der Treffer, es war Billas 21. im Nationalteam, stieß vorerst gleichzeitig das Tor - oder halt: die Lücke - zur Endrunde nach England auf. Der nächste Gegner in Gruppe G ist Nordmazedonien, gegen das die Equipe von Teamchef Dominik Thalhammer zum Auftakt der Qualifikation mit 3:0 gewann, am 8. November, die weiteren Konkurrenten sind Kasachstan und das Weltklasse-Team Frankreich. Die Siegerinnen der neun Gruppen sowie die drei besten Zweiten haben ihre Tickets fix, die sechs weiteren Zweiten spielen im Oktober 2020 in den Play-offs um die letzten Startplätze.

Schafft Österreich diese Hürde, wäre es nach der EM 2017, die sensationell mit dem dritten Platz endete, der nächste Höhepunkt für den heimischen Frauenfußball und die Karriere der erst 23-jährigen Tirolerin. Schon damals war Billa eine der Teamstützen, blieb aber ohne Tor und fiel im erst im Elfmeterschießen verloren gegangenen Halbfinale gegen Dänemark verletzt aus. Seither hat sich Billa aber sowohl im Team als auch im Verein weiterentwickelt - und auch im rot-weiß-roten Frauenfußball hat es Fortschritte gegeben, die sie selbst als Hoffenheim-Legionärin in der deutschen Bundesliga aus der Ferne wohlwollend betrachtet.


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Ein Vergleich mit Deutschland sei zwar nur schwer möglich, weil die Entwicklung, was die Strukturen, die Zusammenarbeit mit den Männervereinen und die Trainer(innen) betrifft, in Österreich noch am Anfang stünden, hielt sie kürzlich in einem Interview mit eurosport.de fest. "Vom Grundgerüst ist man aber sicher besser aufgestellt als früher", sagt sie. Eine professionellere Vermarktung der Liga, stärkere Anreize für Vereine, in den Frauenfußball zu investieren, für Mädchen, mit dem Sport zu beginnen, sowie für Spielerinnen, parallel auch in die Trainerausbildung einzusteigen, sollen eine breitere Basis schaffen. Auch Billa absolviert eine solche begleitend zu ihrer Profikarriere.

Ein bisschen wie beim Kickboxen

Schließlich kennt sie auch andere Zeiten. Denn "früher", das war damals so, als sie selbst mit dem Fußballspielen begonnen hatte. Den Anfang machte sie ab dem Alter von fünf Jahren beim Kindertraining beim SV Angerberg in Tirol, über Wacker Innsbruck ging es dann ins erst 2011 eröffnete nationale Zentrum für Frauenfußball in St. Pölten und von dort im Jahr 2015 zur TSG Hoffenheim nach Deutschland. Die laufende Saison hat für Billa und ihre Kolleginnen im Kraichgau (die ländliche Gegend weckt Heimatgefühle) gut begonnen: Nach fünf Spielen liegt man mit vier Siegen nur hinter den Wolfsburgerinnen - und Billa mit fünf Toren nur einen Treffer hinter dem Führungsduo auf dem geteilten dritten Rang der Torschützenliste. Wertvolle Tipps und Anregungen erhält sie in Hoffenheim von der deutschen Fußball-Ikone Birgit Prinz, die beim Verein als Sportpsychologin engagiert ist.

Zudem kommt ihr auch ihre frühere sportliche Passion zugute. In der Jugend ging sie leidenschaftlich dem Kickboxen nach, errang sogar WM- und EM-Titel bei den Juniorinnen. "Durchschlagskraft und gute Übersicht", sagt Billa, seien Qualitäten, die in beiden Bereichen gleichermaßen gefragt seien - und die Fähigkeit, die Lücke für den entscheidenden Punch, das entscheidende Tor, zu finden.