Und plötzlich kann es ganz schnell gehen. Nach dem völlig verkorksten Start im März in die EM-Qualifikation schien es so, als könne Österreich - so eine Aufholjagd überhaupt gelingt - erst ganz zum Schluss die Fahrkarte zum paneuropäischen Turnier lösen. Das ist seit Donnerstagabend und dem siebenten Spieltag nicht mehr ganz so. Denn dank des 3:1-Arbeitssieges über Israel und des 2:1-Überraschungserfolges von Nordmazedonien über Slowenien steht die ÖFB-Elf als Zweiter früher als erwartet wieder auf einem Qualifikationsplatz und könnte diesen mit einem Sieg am Sonntag in Laibach (20.45 Uhr/ORF1) de facto auch schon klarmachen. Und selbst bei einem Remis steht das Tor zur Euro 2020 weit offen.

Die Szenarien:

Gewinnt die Auswahl von Franco Foda gegen die Slowenen und erfüllt zugleich Polen vor knapp 60.000 Fans gegen Nordmazedonien seine Pflicht, dürfte in Gruppe G alles entschieden sein: Dann sind Robert Lewandowski und Co. fix qualifiziert, und Österreich bräuchte aus dem Heimspiel gegen die Mazedonier (16. November) und der Auswärtspartie gegen die abgeschlagenen Letten (19. November) gerade einmal ein Pünktchen. Schwer vorstellbar, dass sich die klar im Aufwind befindliche Foda-Truppe das noch nehmen ließe.

Selbst bei einem Unentschieden am Sonntag haben Julian Baumgartlinger und Co. alle Trümpfe in der Hand: Die Slowenen blieben wie die Mazedonier hinter Österreich, selbst wenn Letztere das Wunder zusammenbrächten und in Polen siegen würden. Somit reichten der ÖFB-Elf dann ein Heim-Remis gegen Nordmazedonien und ein Sieg in Lettland für das EM-Ticket.

Im Falle einer Niederlage rückt die Gruppe allerdings noch einmal zusammen: Österreich würde dann wieder hinter die Slowenen fallen und müsste auf Schützenhilfe hoffen - ob diese die (dann wohl schon qualifizierten) Polen am letzten Spieltag in Warschau leisten können, ist aber fraglich. Am vorletzten Spieltag haben Jan Oblak und Co. zudem Lettland zu Gast. Leisten sich Österreich, Nordmazedonien und Slowenien noch Umfaller, könnte sogar noch einmal Israel heranstürmen. Mit drei Siegen (gegen Lettland, Polen, Nordmezedonien) stünden am Ende 17 Punkte auf dem Konto - und möglicherweise Rang zwei. Realistischer ist eher, dass die Elf von Andreas Herzog im März 2020 eine zweite Chance erhält und in einem Vierer-Play-off um einen Startplatz aus der Nations League rittern darf. Derzeit wären die Israelis als eines der besten C-Teams locker im Teilnehmerfeld (Nordmazedonien hat dafür sogar ein Fix-Ticket).

Alles noch Zukunftsmusik. Zuvor war Teamchef Foda nach dem glanzlosen Sieg gegen Israel bemüht, den Ball flach zu halten. "Die Ausgangssituation hat sich schon verbessert. Aber es ist wichtig, dranzubleiben." Nachsatz: "Wir haben noch nichts erreicht." Positiv vermerkte der Deutsche, dass seine Elf den israelischen Führungstreffer aus dem Nichts durch Eran Zahavi (34.) weggesteckt habe. "Die Mannschaft gibt nie auf. Sie kommt auch nach Rückständen zurück, das zeichnet sie aus." Zuvor war 20 Minuten im halb leeren und stimmungslosen Happel-Stadion nichts zusammengelaufen - die mangelnde Spielpraxis von Stefan Ilsanker, Valentino Lazaro und Marko Arnautovic (seit drei Wochen kein Meisterschaftsspiel in China) waren augenscheinlich. Nach dem Ausgleich durch Lazaro (41.) lief das rot-weiß-rote Offensivspiel nach der Pause etwas flüssiger - Martin Hinteregger in Goalgettermanier (56.) und der Tagesbeste Marcel Sabitzer (88.) sorgten für den Endstand.