Italiens Sportminister Vincenzo Spadafora hat wegen der türkischen Militäroffensive gegen die syrischen Kurden gefordert, das nächste Fußball-Champions-League-Finale nicht in Istanbul auszutragen. "Ich bitte Sie zu überlegen, ob es nicht inopportun ist, das für 30. Mai 2020 geplante Finale der Uefa Champions League in Istanbul beizubehalten", schrieb Spadafora an Uefa-Präsident Aleksander Ceferin.

Man wisse gut, dass sich mit einem solchen Akt die Dramatik des Geschehens in Syrien nicht auflösen lasse, hieß es in dem Brief laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa weiter. "Aber wir sind uns alle der Bedeutung bewusst, die eines der weltweit wichtigsten Sportereignisse einnimmt", schrieb Spadafora. Er wünsche sich, dass der europäische Fußball die mutige Entscheidung treffe, zu zeigen, dass der Sport ein Instrument des Friedens sei.

Geteilte Meinungen auch innerhalb der Mannschaft

Unterdessen haben Nationalspieler der Türkei auch am Montag beim 1:1 gegen Weltmeister Frankreich in der EM-Qualifikation ihre Unterstützung für die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan gezeigt. Nach dem Ausgleichstreffer von Kaan Ayhan (82.) salutierten einige Akteure der Gäste demonstrativ. Die Uefa hatte nach der schon im Spiel gegen Albanien gezeigten Geste eine Untersuchung eingeleitet.

Der türkische Teamchef Senol Günes wollte der Szene nicht zu viel Bedeutung zumessen. "Wir handeln in gutem Glauben, es geht darum, unsere Soldaten zu unterstützen", sagte Günes.

Innerhalb der türkischen Mannschaft gehen die Meinungen über den kontroversen Jubel offenbar auseinander. So beteiligte sich Torschütze Ayhan im Gegensatz zum Großteil seiner Teamkollegen nicht. Nach dem 1:0-Sieg gegen Albanien hatte der Düsseldorf-Profi den Militärgruß noch gezeigt. Fortunas Sportvorstand Lutz Pfannenstiel hatte danach das Gespräch mit Ayhan gesucht.

Partie verlief weitgehend friedlich

 

Das Hochsicherheitsspiel in Saint-Denis war unter besonderen Vorzeichen gestartet. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian hatte vor dem Hintergrund der türkischen Militäroffensive seine Teilnahme abgesagt. Unter den 78.000 Zuschauern befanden sich nicht nur im mit 3800 Fans prall gefüllten Auswärtssektor viele türkische Anhänger. Die Partie verlief aber weitgehend ruhig. Als im Finish ein Banner mit einem pro-kurdischen Statement ("Hört auf Kurden zu massakrieren") enthüllt wurde, reagierten die Ordner schnell und entfernten es. Das Regelwerk der Uefa verbietet politische Äußerungen in Stadien.

Durch das Remis verpassten die Franzosen, die durch Olivier Giroud (76.) in Führung gegangen waren, die vorzeitige Qualifikation für die pan-europäische EM-Endrunde 2020. Der Weltmeister und die Türkei liegen in der Gruppe H an Punkten weiter gleichauf, die Türken sind nach dem 2:0 im Hinspiel aufgrund der direkten Duelle voran. Vier Zähler hinter dem Duo rangiert Island. (red)