Videobeweis schützt vor Fehlentscheidung nicht - das weiß keiner besser als Österreichs Vizemeister Lask. Als es im August im Champions-League-Play-off gegen Brügge zur Premiere des Video Assistant Referee (VAR) auf rot-weiß-rotem Boden kam, versagte dieser nämlich gröblich. Eine Abseitsstellung eines Belgiers konnte aufgrund technischer Probleme nicht erkannt werden, der Elfer(fehl)pfiff wegen eines läppischen Fouls wurde wiederum gleich gar nicht überprüft und korrigiert. Die Folge war das 0:1 der Belgier in Linz, die damit die Grundlage für den Einzug in die Königsklasse schufen. Von derlei Pannen mit dem Videobeweis, mit denen sich insbesondere im deutschen Fußball Bücher füllen ließen, war am Donnerstag freilich kaum die Rede. Denn die heimische Bundesliga und der ÖFB kündigten die VAR-Einführung per März 2021 - also pünktlich zur Meisterrunde der nächsten Saison - an.

Möglich macht diesen Vorgriff - ursprünglich war die Spielzeit 2022/23 avisiert worden - ein Zuschuss des ÖFB, der die komplette Einführungsphase mit einer Million Euro übernimmt. Die Bundesliga wiederum muss danach die jährlichen Betriebskosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro stemmen.

Letztlich sind diese Investitionen alternativlos, denn trotz zahlreicher Einzelfälle quer über den Globus, die statt mehr Gerechtigkeit nur mehr Fan-Frust erzeugt haben, ist der Zug längst abgefahren. Spätestens seit sich die Uefa nicht mehr gegen den Fifa-Druck querlegt und seit heuer den VAR auch in der Champions League zulässt, folgen nach und nach alle europäischen Ligen. Österreich ist so gesehen schon recht spät dran. "Wir haben festgestellt, dass sich viele Nationen unserer Größenordnung aktiv involviert haben. Für uns ist es wichtig, dass wir nicht Vorreiter, aber auch nicht Nachzügler sind", betonte ÖFB-Chef Leopold Windtner. Nachsatz: "Es ist eine Investition zum Wohle und für die Zukunft des österreichischen Fußballs."

Referees im Abseits

2017/18 waren Deutschland und Italien die ersten der Top-Ligen, die auf den Videoschiri setzten; inzwischen haben Spanien, Frankreich und England nachgezogen. Auch in der Schweiz kommt das System seit Sommer 2019 zum Einsatz. In vergleichbaren Ligen - Belgien, Holland, Polen, Griechenland und Tschechien - setzt man schon auf den VAR.

Hinzu kommt, dass Österreichs Unparteiische mit dem schneller werdenden Tempo offenkundig nicht mehr zurechtkommen und zusehends Fehlpfiffe produzieren. Es setzte nicht nur Schelte von Schiedsrichterchef Robert Sedlacek, sondern auch von Trainern - Letztere forderten daher als Ausweg immer häufiger den elektronischen Beistand. Schiedsrichter Julian Weinberger sprach darob am Donnerstag von einem "tollen Tag": "Das ist eine neue Ära in der Bundesliga." Außerdem ist eine Grundausbildung mit dem VAR Bedingung, dass die heimischen Referees international nicht noch weiter ins Abseits rücken: "Es sorgt auch dafür, dass unsere Schiedsrichter durch den regelmäßigen Einsatz des VAR auch für den Einsatz bei Endrunden und internationalen Bewerben optimal vorbereitet sind", so Windtner. Zur Erinnerung: 1998 hatte der bis dato letzte österreichische Referee (Günter Benkö) einen WM-Einsatz, 2008 war es Konrad Plautz, der als rot-weiß-roter Vertreter eine EM-Partie leitete.

Die Frage, ob und wie der Videobeweis das Spiel verändert hat - zum Guten oder Schlechten? -, stellt sich längst nicht mehr unter den Entscheidungsträgern. Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer etwa wiederholte das häufigste Pro-Argument, wonach der VAR den Fußball "gerechter" mache. Eine mittlerweile philosophische Frage, die man in Fan-Foren und Sport-Feuilletons gerne diskutiert. Für die Liga zählen aber knallharte Fakten - dass etwa der Videobeweis nur rund fünf Mal pro Spiel zurate gezogen werde und jeweils unter einer Minute dafür benötigt würde, wie Ebenbauer ausführte.

Keine Szenen im Stadion

Zumindest in diesem Bereich konnten konservative Anhänger des Spiels großteils besänftigt werden, weil sich Befürchtungen über lange Spielunterbrechungen und eine exzessive Verwendung nicht bewahrheitet haben. Und die Fifa erlaubt auch nur den Einsatz bei Toren, roten Karten, Elfmeterentscheidungen und Spielerverwechslungen.

Allerdings wird es (auch) in Österreich zwei große Mankos geben: Die Torlinientechnik, die zweifelsfrei über Treffer oder Nicht-Treffer wacht, kommt aus Kostengründen nicht. Außerdem werden heimische Fans die vom VAR gerade überprüften strittigen Szenen im Stadion nicht sehen können - selbst dort, wo Großbildschirme hängen. Aber das ist auch in anderen Ligen nicht erwünscht.