Wir müssen es am Mittwoch besser machen." Salzburg-Trainer Jesse Marsch weiß ganz genau, dass das, was seine Elf am Samstag beim 1:1-Remis bei Sturm Graz abgeliefert hat, für einen europäischen Topklub nie und nimmer reichen wird. Und am Mittwoch kommt mit dem SSC Napoli genauso ein Topklub in die Bullenarena, wenn um 21Uhr (Sky) die dritte Champions-League-Partie für den heimischen Serienmeister angepfiffen wird.

Nach der Länderspielpause schien vor allem das so furios in die neue Saison losgestartete Offensivwerkl außer Tritt geraten zu sein - die Steirer hatten sogar ein Chancenplus und waren dem Sieg näher. "Vielleicht war das ein guter Weckruf zur richtigen Zeit", analysierte Salzburgs Mittelfeld-Routinier Zlatko Junuzovic. Allerdings bot Marsch nicht seine Topformation auf, schonte bewusst einige Stammkräfte. Nicht so Goalgetter Erling Haaland, der aber nach Verkühlung und Hüftblessur derzeit nicht mehr in der überragenden Spätsommerform ist. "Ich bin froh, dass Erling wieder zurück ist, auch wenn er keine Topleistung gebracht hat", meinte Marsch. In der Bundesliga-Tabelle hat die zweite Punkteteilung für die Salzburger vorerst nur marginale Auswirkungen: Der Lask (7:2-Sieger über Mattersburg) rückte bis auf drei Punkte heran, wieder drei Punkte dahinter ist der WAC, der beim 1:1 in Hütteldorf gegen Rapid Rang drei behaupten konnte.

Der Königsklassen-Kontrahent kommt indes mit einem Erfolgserlebnis nach Salzburg: Der 2:0-Sieg gegen Hellas Verona bedeutet weiterhin Rang vier in der SerieA, für Starcoach Carlo Ancelotti stimmt die Richtung. Allerdings sorgte seine Stürmerwahl zuletzt immer wieder für heftiges Blätterrauschen am Vesuv.

So setzte Ancelotti bei der Nullnummer in Genk ein Zeichen, indem er Topscorer Dries Mertens (mit 114 Toren für Napoli nur noch einen Treffer von der Torausbeute von Klubikone Diego Maradona entfernt) nur auf die Bank setzte und Kapitän Lorenzo Insigne gleich auf die Tribüne beförderte. Mangelnde Trainingseinstellung wurde als Grund für die Sanktion genannt; Insignes Vertrag endet wie jener von Mertens im kommenden Sommer.

Nach Kritik an dieser Entscheidung rückte sogar Klubboss Aurelio De Laurentiis aus, um Ancelotti zu verteidigen und beide Akteure zu schelten. Gegen Verona durfte der italienische Teamtürmer Insigne zwar wieder von Beginn an stürmen (und machte im Finish für Mertens Platz), da hatte aber bereits Arkadiusz Milik seine Anwärterschaft auf einen Platz ganz vorne untermauert, indem er per Doppelpack getroffen hatte. Und nun wartet auch noch Salzburg, an das der Pole noch beste Erinnerungen ans heurige Achtelfinale der Europa League hat: Sowohl im Hinspiel im Stadio San Paolo (3:0) als auch im Rückspiel (1:3) traf er jeweils zum wichtigen 1:0 für die Süditaliener.

Beschweren braucht sich Ancelotti über seine Stürmerauswahl ohnedies nicht: Denn mit dem robusten Spanier Fernando Llorente sowie dem mexikanischen Deutschland-Schreck Hirving Lozano hat er zwei weitere Spitzenkräfte, die je nach Spielverlauf und -system beliebig eingesetzt werden können.(may/apa)