Die Festspielsaison in Salzburg geht am Mittwoch in den dritten Akt - die Rede ist wohlgemerkt von Fußball. Nach dem ebenso historischen wie fantastischen 6:2-Einstand gegen KRC Genk und dem hochdramatischen, aber letztlich unbelohnten 3:4 in Anfield gegen Titelverteidiger Liverpool wartet nun am dritten Champions-League-Spieltag der SSC Neapel auf den rot-weiß-roten Serienmeister. Die beiden Duelle mit dem italienischen Vizemeister am Mittwoch (21 Uhr/Sky) sowie 13 Tage später am Fuße des Vesuvs sind richtungsweisend für die Red-Bull-Truppe in dieser Königsklassen-Spielzeit: Für das Minimalziel Gruppenrang drei - gleichbedeutend mit einem Europa-League-Ticket im Frühjahr - sollte vor ausverkauftem Haus in Siezenheim unbedingt gepunktet werden; gelingen in beiden Partien sogar drei oder mehr Zähler, ist und bleibt auch das Überwintern in der Champions League ein realistisches Szenario.

"Haben in Anfield gelernt"

Immerhin ist die Truppe von Starcoach Carlo Ancelotti - seines Zeichens dreifacher Gewinner der Champions League als Trainer - in der Fremde alles andere als eine Macht: Bereits seit acht Auswärtsspielen wartet man auf einen Sieg (bei fünf Niederlagen); in der Vorsaison kam nach Unentschieden bei Roter Stern und PSG das Aus; danach setzte es im Europa-League-Achtelfinale in Salzburg eine 1:3-Pleite (allerdings hatten die Neapolitaner nach dem 3:0 in San Paolo schon das rettende Auswärtstor erzielt). Doch auch vor drei Wochen in Belgien schwächelte der SSC gewaltig, als gegen Genk nur eine Nullnummer herausschaute - und das nach dem 2:0-Auftaktsieg gegen die Reds. Womit jedem im Team der Salzburger und jedem der gut 30.000 Fans auf den Rängen klar ist, dass wieder etwas möglich ist und ein weiterer glorreicher Europacup-Abend herandräuen kann.

Voraussetzung dafür ist freilich ein deutlich entschlosseneres Auftreten als am Wochenende gegen Sturm (1:1) und furchtloseres Agieren als in Hälfte eins an der Anfield Road. "Wir haben viel daraus gelernt. Die Mannschaft wird mutig auftreten", kündigte Salzburg-Trainer Jesse Marsch an. Der US-Amerikaner erwartet von seiner jungen Truppe "ein angstloses Gefühl". Ähnlich klang Abwehrturm Maximilian Wöber, der die Kreise der prominent besetzten Offensivabteilung um Lorenzo Insigne, Hirving Lozano, Dries Mertens, Arkadiusz Milik und Co. stören soll. "Wir werden nicht wie in Liverpool die ersten 30 Minuten verschlafen und alles versuchen, um die Null zu halten." Nachsatz: "Wir hatten zu viel Respekt, haben daraus aber gelernt."

Marsch geht wie immer mit einer Extraportion Optimismus und positivem Team-Spirit in die Partie: "Ancelotti wechselt das System oft, es bleibt eine sehr gute Bewegung in der Mitte, immer mit verschiedenen Spielern. Wir sind auf schnelle Spieler aber auch auf Große wie Milik oder Lozano eingestellt", erklärte der 45-Jährige. Entscheidend für den Erfolg werde aber sein, selbst von hinten heraus effektiv ins Spiel zu kommen. "Wichtig wird sein, dass wir Druck im Aufbau haben", so Marsch.

Immerhin stellt sich - anders als zuletzt in der Bundesliga - die Stürmerfrage nicht. Senkrechtstarter Erling Haaland, in 12 Saisonspielen 18-facher Torschütze und in der Champions League schon vier Mal erfolgreich, sei - so wie alle Kicker außer der langzeitverletzte Antoine Bernede - fit. "Haaland hat am Montag gut trainiert und wird zu 100 Prozent bereit sein", versprach Marsch. Gegenüber dem Match in Graz braucht es aber auch vom 19-jährigen Norweger eine deutliche Steigerung. "Gegen Sturm war es für Erling nicht einfach, weil die Räume sehr eng waren. Aber das wird ein ganz anderes Spiel."

Seit 19 Spielen ungeschlagen

Die Salzburger bauen aber auch auf ihre Heimbilanz: Seit bereits 19 Europacup-Auftritten vor heimischer Kulisse ist man ungeschlagen, 15 davon wurden gewonnen. Die letzten sechs internationalen Gegner der Salzburger verließen die Bullen-Arena stets als Verlierer - so wie auch Napoli beim 1:3 im März.

Champions League, Mittwoch:


Gruppe E:
Salzburg - Napoli21.00 Uhr
KRC Genk - Liverpool21.00 Uhr
Gruppe F:
Inter Mailand - Dortmund21.00 Uhr
Slavia Prag - FC Barcelona21.00 Uhr
Gruppe G:
RB Leipzig - St. Petersburg18.55 Uhr
Benfica - Olympique Lyon 21.00 Uhr
Gruppe H:

Ajax Amsterdam - Chelsea18.55 Uhr
Lille - Valencia CF21.00 Uhr