Sie nennen ihn Hansi, nicht Hans-Dieter, wie es in seiner Geburtsurkunde steht. Hansi, das hat einen weicheren, netteren, freundlicheren Klang als das kühle "Hans-Dieter", das vielleicht zu den aktuell trüben Außen- und Innenansichten in München und im dortigen Fußball passt, nicht aber zu den Attributen, die man Hans-Dieter vulgo Hansi Flick gemeinhin zuschreibt. Er sei "der gute Mensch von München", attestierte ihm das Nachrichtenmagazin "Spiegel", als der FC Bayern Flick zum interimistischen Nachfolger des nach der 1:5-Niederlage gegen Frankfurt beurlaubten Trainers Niko Kovac ernannte. Und beinahe alle, die bisher einen Teil seines Karriereweges mit ihm gegangen sind, teilen diese Einschätzung: Kovac hatte sich Flick im Sommer als seinen Co-Trainer ausdrücklich gewünscht, Präsident Uli Hoeneß damals von einer "sehr guten Entscheidung" gesprochen, und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, ansonsten nicht immer einer Meinung mit dem scheidenden Klub-Patron, nannte ihn "eine wichtige Unterstützung und große Hilfe für Niko".

Nun ist dieser Geschichte - und Flick, zumindest vorerst für die beiden anstehenden Spiele gegen Olympiakos am Mittwoch in der Champions League (18.55 Uhr/Sky) sowie am Samstag gegen Vizemeister Borussia Dortmund in der Meisterschaft, von der zweiten in die erste Reihe nach vorne getreten. "Ich glaube nicht, dass er Angst davor hat", meint Oliver Bierhoff, der als DFB-Teammanager ebenfalls lange mit Flick, dem früheren Co-Trainer der Nationalmannschaft und von 2014 bis 2017 DFB-Sportdirektor, zusammengearbeitet hat. "Er ist ein kompetenter Fachmann mit viel Erfahrung, hoher sozialer Kompetenz und viel Verständnis für die Spieler", urteilt Bierhoff. Es ist eine Mischung, die den 54-jährigen Heidelberger geradezu dafür prädestiniert, in dieser Situation, in der eine unübersehbare Diskrepanz zwischen dem Mia-san-mia-Gehabe der Vereinsbosse und einer tiefen Verunsicherung der Spieler an der Säbener Straße herrscht, einzuspringen. "Für mich war klar, dass ich das mache, schon aus Loyalität dem Verein gegenüber", sagt Flick, der früher selbst für die Bayern gespielt hat. Andererseits aber ist es auch eine Mischung, die nahelegt, warum er von den meisten - und die Verantwortlichen in der Vereinsführung arbeiten bisher wenig gegen die Einschätzung, dass sie dazugehören - nicht als Dauerlösung gesehen wird. Denn dass seine Stärke in der Ellenbogentaktik liegen würde, ist aus Flicks bisheriger Vita nicht zuvorderst herauszulesen. Dabei könnte genau die im Münchner Fußballkosmos, in dem es nicht nur gilt, sich gegen die stärksten Gegner der Welt durchzusetzen, sondern auch gegen die notorisch erfolgsfordernde Presse und mitunter Querschützen aus den eigenen Reihen, zumindest nicht schaden.