Es soll ja im Fußball nichts geben, das es nicht gibt. Und doch kommt es nicht allzu häufig vor, dass ein Trainer sein erstes Spiel gewinnt, noch dazu in der Champions League, darüber hinaus damit gleich den Aufstieg in die nächste Runde feiert, dass er zudem unmittelbar vor dem nächsten ebenso wichtigen wie schwierigen Spiel steht – und dass trotzdem beinahe ausschließlich über seinen Nachfolger diskutiert wird. Hansi Flick, der den FC Bayern nach dem 1:5 gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag übernommen, sie am Mittwoch zu einem 2:0-Sieg über Olympiakos Piräus und damit vorzeitig ins Champions-League-Achtelfinale geführt hat, erlebt genau das gerade.

Weil der Arbeitgeber von David Alaba, den Flick diesmal auch in Hinblick auf das Bundesliga-Spiel am Samstag gegen Borussia Dortmund in der Innenverteidigung aufgeboten hatte, ihn von vornherein als Interimslösung präsentiert hat, wachsen nun nicht nur die Erwartungen bei den Münchnern auf bessere Zeiten in den Himmel, sondern auch die Spekulationen wie wild. Und nachdem die ersten Tage des Interregnums von öffentlichen Absagen geprägt waren – sowohl Ralf Rangnick als auch Ajax-Coach Erik ten Hag und PSG-Trainer Thomas Tuchel machten schnell klar, vorerst nicht zur Verfügung zu stehen –, schien sich das Kandidatenfeld am Donnerstag zu lichten. Wie das Fachmagazin "kicker" zunächst in Erfahrung gebracht haben wollte, sollte sich die einstige Arsenal-Trainer-Ikone Arsène Wenger am Freitag aus Doha, wo er aktuell als TV-Experte arbeitet, zwecks Gesprächen auf den Weg Richtung München machen. Am Abend allerdings teilte der Klub mit, dass ein Engagement Wengers "keine Option" sei, womit die Spekulationen nun wieder von vorne beginnen.

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Wenger, der die Gunners 2018 nach 22 Jahren verlassen hatte, hatte sich zuvor bezüglich eines neuerlichen Trainerengagements bedeckt gegeben, aber keineswegs nach einem richtigen Dementi geklungen. Er würde sich nie Gesprächen mit den Bayern verweigern, er kenne und schätze die Menschen dort seit 30 Jahren, ließ der 70-Jährige wissen. Zudem imponiere ihm der auf Ballbesitz ausgelegte Fußball der Münchner.

Alphatiere unter sich

Arsène Wenger, der als heißer Kandidat gegolten haben soll, sei "keine Option", teilten die Münchner mit. - © afp, Adrian Dennis
Arsène Wenger, der als heißer Kandidat gegolten haben soll, sei "keine Option", teilten die Münchner mit. - © afp, Adrian Dennis

Letzteres ist freilich eine Vorliebe, die Wenger mit ihnen teilt – und die auch der neue Trainer, wer immer es wird, mitbringen sollte. Auch andere Qualitäten hätten für den Franzosen gesprochen: Er gilt als jemand, der gut mit jungen Spielern kann, war Vaterfigur und Mentor für mehr als eine Generation. Zudem hat er die strategische und (infra-)strukturelle Entwicklung, das Wohl und Weh Arsenals mitbestimmt wie kaum ein anderer.

Allerdings hatte sich seine Philosophie irgendwann abgenützt, ebenso wie seine Methoden mit der Zeit als veraltet galten. An der Säbener Straße dürfte sich die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass ein Engagement Wengers nicht als jenes Zeichen der Erneuerung interpretiert werden würde, das man aktuell nötig hat. Zudem wimmelt es dort schon jetzt nur so vor Alphatieren, die kaum etwas weniger leiden können als Zurufe von der Bank in die oberen Etagen.

Auf Robert Lewandowski ist Verlass: Er schoss am Mittwoch schon sein sechstes Tor in der laufenden Champions League. - © afp, Christof Stache
Auf Robert Lewandowski ist Verlass: Er schoss am Mittwoch schon sein sechstes Tor in der laufenden Champions League. - © afp, Christof Stache

Doch auch hier stehen Umstrukturierungen an: Uli Hoeneß übergibt das Präsidentenamt kommende Woche an den Ex-Adidas-Chef Herbert Hainer; die frühere Torhüter-Ikone Oliver Kahn rückt Anfang des Jahres in den Vorstand auf und wird dort Karl-Heinz Rummenigge nach Ablauf dessen Mandats am 31. Dezember 2021 als Vorsitzender beerben. Es sollen Schritte in eine glorreiche Zukunft sein. Mit welchem Trainer sie begangen werden, ist derzeit ungewiss. Selbst eine Beförderung Flicks vom Interimstrainer zum längerfristigen Chef scheint nicht ausgeschlossen, wenn auch unwahrscheinlich. Doch es sollen im Fußball schon seltsamere Dinge geschehen sein.