Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, denkt man sich offenbar bei der Wiener Austria. Daher wendet sich vor dem Bundesliga-Spiel am Sonntag gegen Mattersburg (14.30 Uhr) das Präsidium nun mit einem offenen Brief an die Fans. "Uns eint der Wille, wieder eine starke Austria zu erleben", heißt es in dem Schreiben. Doch davon sind die Wiener aktuell meilenweit entfernt - zudem rumort es zusehends in der Fanszene, wie zuletzt auch bei der 0:2-Auswärtsniederlage gegen den Lask, bei der das Spiel wegen des Abbrennens von Pyrotechnik zehn Minuten hatte unterbrochen werden müssen, deutlich wurde.

Zwar sei man sich bewusst, dass die schwachen Leistungen und Ergebnisse der Grund für die Unzufriedenheit seien, schreibt das Präsidium, das zudem die gute Zusammenarbeit mit weiten Teilen der Fanszene betonen wollte, "aber die Häufigkeit und das Ausmaß an Fehlverhalten weisen darauf hin, dass einigen wenigen nicht wirklich klar zu sein scheint, wofür die Austria eigentlich steht". Die DNA der Austria bestehe nicht aus "Selbstbeweihräucherung", sondern aus einer "Identität, die sich unsere Anhänger und der Klub über ein Jahrhundert selbst mühevoll erarbeitet haben".

Allerdings sehen die Anhänger diese zunehmend in Gefahr. Schon länger werden die Transferpolitik und das Scouting angeprangert, das Fass zum Überlaufen haben freilich die schwachen Leistungen in dieser Saison gebracht. Als Tabellensiebenter hat die Austria vor dem Sieg gegen Mattersburg schon acht Punkte Rückstand auf den sechsten Platz, der zur Teilnahme an der Meistergruppe benötigt wird. "Es ist mathematisch Fakt, dass wir dem Abstiegskampf näher sind als dem Kampf um einen internationalen Startplatz", musste auch Vorstand Markus Kraetschmer nach der jüngsten Niederlage einräumen. So lange es eine Chance gebe, werde man aber darum kämpfen, erklärte Kraetschmer, der aber "keinen Grund zur Panik" sieht. Auch das könnte sich am Sonntag ändern. (red)