Irgendwann in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Lask Inter Mailand im Uefa-Cup 1:0 geschlagen. Zusammen mit dem Double anno 1965 war dieses Ereignis das Größte, das der mitunter zum "Stolz von Oberösterreich" hochstilisierte Klub in gut 100 Jahren zusammengebracht hat. Also nicht sonderlich viel. Dennoch schien es bis vor wenigen Jahren noch völlig illusorisch, dass die am Rande der Existenz taumelnden und zur Drittklassigkeit degradierten Athletiker je wieder in die Nähe solcher Erfolge kommen könnten. Seit Donnerstagabend ist das anders. Der fulminante 4:1-Heimtriumph gegen PSV Eindhoven - holländischer Vizemeister und Meistercup-Champion anno 1988 - stellt sämtliche Mythen der Linzer Vergangenheit in den Schatten. "Das ist der größte Sieg des Lask aller Zeiten", sprach kein Geringerer als Lask-Vize Jürgen Werner, vormals Spieler beim Stadtrivalen Vöest.

Tatsächlich stößt der Heimsieg auf der Linzer Gugl nun das Tor für das erstmalige Überwintern im Europacup - sprich: das Sechzehntelfinale - weit auf. In den ausstehenden beiden Partien - am 28. November in Trondheim und am 12. Dezember zu Hause gegen Sporting - reichen vier Punkte, um aus eigener Kraft weiterzukommen. Verliert der mit dem Lask punktegleiche Konkurrent PSV (7 Zähler) auch beim Tabellenführer in Lissabon (9), reichen sogar schon drei Punkte in Norwegen zum Weiterkommen. "Es war ein großer Schritt Richtung Aufstieg, aber es ist noch nichts geschafft. Das wissen wir auch", warnte in der Stunde des Triumphes Lask-Kapitän Gernot Trauner. Sein Coach gibt sich indes zuversichtlich: "Wir haben eine überragende Ausgangslage und wollen es jetzt auch zu Ende bringen", meinte Erfolgstrainer Valerien Ismael.

Tatsächlich war es neuerlich der beherzte spielerische Auftritt - wie in sämtlichen Europacuppartien des Vizemeisters heuer -, der wenig Anlass zur Sorge gibt, die Athletiker könnten sich noch um die Früchte des Erfolgs bringen. Selbst ein (wie im Champions-League-Play-off gegen Brügge) nach wenigen Minuten fälschlich verhängter (Hands-)Elfmeter konnte die Linzer nach dem frühen Rückstand außer Tritt bringen. Vielmehr schien die Ismael-Truppe dadurch noch mehr angestachelt zu werden. "Ich habe den Jungs zur Pause gesagt, dass das wieder eine Prüfung für uns ist, wir diese Hürde aber übersteigen werden", erläuterte der Franzose.

Nach Seitenwechsel folgte dann tatsächlich die Belohnung in Form zweier Doppelpacks: Reinhold Ranftl (56.), Dominik Frieser (60.) und Joker Joao Klaus (78., 82.) sorgten mit ihren Treffern gegen den 24-fachen niederländischen Meister für wahre Begeisterungsstürme auf der mit 14.000 Fans ausverkauften Gugl. "Das war eine Sternstunde für den Verein, die Mannschaft, die Fans, die Stadt Linz und den österreichischen Fußball", betonte Ismael, der prompt eine entsprechende Belohnung verkündete: "Ein paar Bier sind drinnen, das haben wir uns verdient", sagte der Ex-Bayern-Kicker nach dem Match.

Man sollte aber versichert sein, dass am Sonntag (14.30 Uhr) in Pasching elf voll ausgenüchterte Spieler auf dem Platz stehen, wenn gegen Schlusslicht Admira wieder Bundesliga-Schmalkost angesagt ist. Auch wenn die Südstädter die jüngsten fünf Duelle mit den Oberösterreichern verloren haben, gibt es für den drei Punkte hinter Salzburg liegenden Tabellenzweiten nichts zu unterschätzen: "Wir müssen jetzt regenerieren, alle Kräfte für Sonntag sammeln und nochmals alles raushauen, um wieder einen Sieg einzufahren zu Hause vor unseren Fans", so Ismael.

Schlager WAC vs. Salzburg

Am Sonntagabend (17 Uhr) steigt dann der Ligaschlager Dritter gegen Erster, WAC gegen Salzburg: Für die Kärntner gilt es dabei, die bittere 0:3-Heimpleite gegen Basaksehir, die die Europa-League-Aufstiegschancen (als aktuell Gruppenletzter) vor den Duellen gegen Gladbach und AS Roma stark dezimierte, wegzustecken. "Wir müssen uns neu ausrichten, weil es wichtig ist, geistige Frische hineinzubringen", meinte Coach Gerhard Struber, der gegen die Red-Bull-Elf einen "totalen Abnützungskampf" erwartet. Sein Pendant Jesse Marsch sieht es ähnlich: "Ich erwarte ein gutes, hochinteressantes und sehr intensives Spiel, weil der WAC sehr stark im Gegenpressing ist. Aber unsere Jungs sind sich dessen bewusst und bereit."