Die letzten EM-Qualifikationsspiele werfen ihre Schatten voraus - und ausgerechnet im Fall der Engländer, die am Donnerstag im Gruppe-A-Spiel gegen Montenegro (20.45 Uhr) nur ein läppisches Pünktchen für das Fixticket zu den paneuropäischen Titelkämpfen brauchen, sind es dunkle Schatten. Wie zwei Tage vor dem Spiel bekannt wurde, hat Teamchef Gareth Southgate Torjäger Raheem Sterling von Manchester City aus dem Aufgebot entlassen.

Laut einer Mitteilung des englischen Verbandes (FA) wurde Sterling, der in der bisherigen EM-Qualifikation acht Treffer erzielt hatte, "aufgrund einer Störung in einem privaten Teambereich" fallen gelassen. Medienberichten zufolge hatte es im Teamhotel am Sonntag einen Konflikt des City-Stürmers mit Liverpools Joe Gomez gegeben, Details wurden nicht bekannt. "Wir haben die Entscheidung getroffen, Raheem für das Spiel gegen Montenegro am Donnerstag nicht in Betracht zu ziehen. Ich bin der Meinung, dass die von uns ergriffenen Maßnahmen das Richtige für die Mannschaft sind", sagte Cheftrainer Southgate der BBC.

Ausgangspunkt war die 1:3-Niederlage von ManCity am Sonntag bei Spitzenreiter Liverpool. Sterling gab zu, dass ihn die Emotionen überwältigt hätten. Es sei ein "Fünf-bis-zehn-Sekunden-Ding" gewesen, teilte er am Dienstag über seinen Instagram-Account mit. Inzwischen soll er sich entschuldigt haben. "Wir beide haben uns ausgesprochen und sind uns über einiges klar geworden und schauen nach vorne", postete Sterling. Southgate blieb dennoch bei seiner Linie und rief zum Zusammenhalt auf: "Eine der großen Herausforderungen und Stärken von uns ist es, dass wir die Klub-Rivalitäten von der Nationalmannschaft trennen können", sagte er.

Eine Frage des Selbstverständnisses

Selbstzerfleischung ist tatsächlich eines der letzten Dinge, die die Three Lions, die die Gruppe mit fünf Siegen aus sechs Spielen vor Tschechien und dem Kosovo anführen, jetzt brauchen können. Schließlich soll beim 1000. Länderspiel der Geschichte vor Heimpublikum der Aufstieg gefeiert und ein Zusammenhalt demonstriert werden, der das selbsternannte Mutterland des Fußballs auch wieder einmal zu einem seriösen Titelanwärter macht.

Noch immer nagt es am in Brexit-Zeiten ohnehin angeknacksten nationalen Selbstverständnis, dass man nach der WM 1966 keinen großen Titel im Herrenbereich mehr geholt hat - ebenso wie es offenbar an Sterlings Selbstverständnis nagt, dass Liverpool den Citizens in der Meisterschaft den Rang abläuft. Als Premier-League-Vierter liegen die Citizens schon neun Punkte hinter den Reds. Für Sterling war dies offenbar ein Grund, rot zu sehen. Jetzt zeigte ihm auch Southgate die Karte.