Altersmüde? Gar altersmilde? Damit braucht man Uli Hoeneß gar nicht erst zu kommen, das machte der Noch-Präsident und -Aufsichtsratschef des FC Bayern München zuletzt auf seine ihm eigene, ganz spezielle Art klar. Am Sonntag hatte sich Hoeneß via Telefon in die Sport1-Sendung "Doppelpass" zuschalten lassen und einen der anwesenden Experten wegen dessen Kritik an Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic sprichwörtlich zur Sau gemacht, wie man sich das bei einem ehemaligen Wurstfabrikanten halt so vorstellt. Am Abend nach dem 4:0-Sieg seiner Mannschaft über Borussia Dortmund war Hoeneß’ Stimmungslage dann zwar schon etwas besser, daran, dass er sich solche Aktionen aber auch in Zukunft keineswegs verkneifen will, ließ er jedoch keinen Zweifel. Immer wenn er "Unsachliches" höre oder sehe, werde er da sein "und den Verein wie eine Glucke bewachen", sagte Hoeneß. "Der eine oder andere Journalist wird sich jetzt schon gefallen lassen müssen, dass ich die Abteilung Attacke wieder ausfahre, jetzt wo ich dann keine offizielle Funktion mehr habe", sagte der 67-Jährige.

Ersteres glaubt man Hoeneß mehr oder weniger gerne, jedenfalls aber sofort. Zweiteres ist freilich auch heute, zwei Tage vor der Jahreshauptversammlung, bei der er nicht mehr als Präsident kandidiert und das Zepter an den ehemaligen Adidas-Chef Herbert Hainer abgibt, für viele noch unvorstellbar. Schließlich hat Hoeneß den Verein geprägt wie nie ein anderer zuvor in seiner Geschichte. Sein Abgang, den er nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs im Jahr 2014 noch einmal um Jahre hinausgeschoben hat, der nun aber seit Sommer feststeht, ist damit nicht nur das Ende einer Ära, sondern auch eine Zäsur für den deutschen Rekordmeister. Es werde sich zeigen, sagte Hoeneß jüngst in einem Abschiedsinterview mit dem Branchenmagazin "kicker", ob der FC Bayern dann ein "normaler Verein" werde - "dass er ein anderer wird, ist keine Frage", sagte Hoeneß nicht ohne Stolz.

Zum Abschied gab es ein Geschenk von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. - © apa/dpa/Peter Kneffel
Zum Abschied gab es ein Geschenk von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. - © apa/dpa/Peter Kneffel

Ein Verein im Wandel

Dabei spiegelt sich der Wandel, den der Klub ohnehin in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat, nicht zuletzt in seiner Karriere, die in den Siebzigern als Spieler begonnen, ihn dann aber schon bald ins Management geführt hatte. Als pfeilschneller Außenstürmer hatte er die Bayern mit einem Doppelpack im Finale 1974 gegen Atlético Madrid (4:0) zum ersten deutschen Triumph im Europacup der Landesmeister geschossen. Nur fünf Jahre später musste er, damals schon Welt- und Europameister, seine aktive Spielerlaufbahn verletzungsbedingt beenden. Was für den Spieler Hoeneß selbst eine wohl schmerzvolle Erfahrung war, erwies sich für seinen späteren Manager- beziehungsweise Funktionärsweg sowie den Klub aber als Tugend. Mit nur 27 Jahren avancierte Hoeneß, der sich schon als Spieler auch um die Sponsorenakquise verdient gemacht hatte, zum jüngsten Manager der Bundesliga-Geschichte.

Hoeneß versteht den Spagat, sich einerseits bodenständig zu geben, andererseits mit Wirtschaftsbossen zu vernetzen wie hier am Oktoberfest 2018 mit dem damaligen (mittlerweile aber wegen des Abgasskandals angeklagten) Audi-Chef Rupert Stadler. - © APA web / dpa, Tobias Hase
Hoeneß versteht den Spagat, sich einerseits bodenständig zu geben, andererseits mit Wirtschaftsbossen zu vernetzen wie hier am Oktoberfest 2018 mit dem damaligen (mittlerweile aber wegen des Abgasskandals angeklagten) Audi-Chef Rupert Stadler. - © APA web / dpa, Tobias Hase

Er wurde Mann und Mädchen für alles, fürs Geschäftliche und Organisatorische, fürs Feintuning und, ja, auch das, fürs Grobe. Er musste gleichzeitig Geldgeber lukrieren, Reisepläne erstellen und dem Greenkeeper seine Arbeit erklären. "Ich hab mich um jeden Scheiß gekümmert, Abfahrtszeiten, Busunternehmen, Trikots, zur Not hab ich den Spielern die Stollen reingeschraubt. Jetzt sitz’ ich hier und weiß nicht mal, ob wir morgen in Weiß oder Rot spielen", sagte er dem "SZ-Magazin", als er 2009 nach 30 Jahren im Amt seine operativen Agenden an den mittlerweile vom Verein geschiedenen Christian Nerlinger übergab und das Präsidentenamt übernahm, das er bis zu seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung 2014 sowie nach Verbüßen seiner Haftstrafe bis jetzt inne haben sollte.