Auch Rummenigge bereitet seinen Abschied vor

Hoeneß, das lässt sich aus all dem heraushören und -lesen, fiel es nicht leicht, sich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Doch irgendwie erging es ihm wie dem Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht loswurde. Je mehr er mit seinem Geschäftssinn, mit seinen Netzwerken in der Politik und der Wirtschaft sowie seinem nicht abzustreitenden Charisma also den FC Bayern zur Weltmarke aufbaute, desto mehr musste die Verantwortung auf mehrere Schultern aufgeteilt werden.

Während seines eigenen Prozesses wegen Steuerhinterziehung standen die meisten Fans hinter ihm. - © APAweb / Reuters, Michael Dalder
Während seines eigenen Prozesses wegen Steuerhinterziehung standen die meisten Fans hinter ihm. - © APAweb / Reuters, Michael Dalder

Der Aufsichtsrat ist hochkarätig besetzt, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ebenso wie Hoeneß ein Schwergewicht im internationalen Fußball. Dass sich die beiden Alphatiere auch nicht immer grün waren, mag zermürbend gewesen sein, lange ging es aber beinahe überraschend gut. Dass sie zuletzt dazu übergingen, ihre Meinungsverschiedenheiten mitunter auch öffentlich auszutragen, ließ die mühsam aufgebaute Mia-san-mia-Fassade etwas bröckeln; dass er sich auch deshalb zurückziehe, stellt Hoeneß aber mit der von ihm bekannten Vehemenz in Abrede. Zudem wird auch Rummenigge seinen Posten mittelfristig räumen, als sein Nachfolger ab 2022 an der Spitze des Vorstands steht jetzt schon Oliver Kahn fest.

"Irgendwann", so Hoeneß über seinen eigenen Abschied, "muss es einfach kommen. Fertig, aus, Amen. Ist halt so." Doch ganz so konsequent, wie er sich sonst gerne gibt, ist Uli Hoeneß bei seinem persönlichen "Aus" dann auch wieder nicht. Und sei es, dass er sich als wachsame Glucke aus dem Unruhestand meldet.