So wie sich der 27. März 1999 tief ins Gedächtnis der rot-weiß-roten Fußball-Fangemeinde eingeprägt hat, wird auch dieser 12. November 2019 für viele wohl unvergesslich bleiben. Und das nicht nur wegen des an sich leicht zu merkenden - weil ja identen - Ergebnisses. Nun kann man zwar nicht sagen, dass Österreichs Damen-Nationalmannschaft mit ihrem fulminanten 9:0-Kantersieg über Kasachstan am Dienstag jene bittere 0:9-Niederlage der Herren 20 Jahre früher (gegen Spanien) wieder gutgemacht hätte. Dazu waren die Voraussetzungen doch andere. Dennoch ist dieses Ergebnis beachtlich, wenn auch nicht das beste in der nicht so langen ÖFB-Frauen-Geschichte: 2003 siegten die Frauen einmal sogar mit 11:0 - gegen Armenien.

Trotzdem können sich Marko Arnautovic, David Alaba und Co. einiges von ihren weiblichen Kolleginnen abschauen in diesen Tagen. Zwar sind aktuell auch die Herren drauf und dran, sich für die EM 2020 zu qualifizieren, nur gestaltete sich ihr Antreten bisher nicht so durchwegs makellos wie jener Durchmarsch, den die Frauen in der laufenden Qualifikation für die EM 2021 in England hingelegt haben: Vier Siege in Serie, 16:0-Tore - besser geht es nicht. "Es ist genau eingetreten, was wir wollten", jubelte daher auch ÖFB-Damen-Coach Dominik Thalhammer. "Wir haben nun eine super Ausgangssituation."

Gemeint ist das kommende Duell im Frühjahr gegen Frankreich. Die Auswahl geht sogar als Führende in die erste Begegnung mit dem Zweiten in der Gruppe G am 14. April daheim. "Frankreich ist ein absolutes Weltklasseteam, ich glaube aber, dass wir an ihnen näher dran sind als noch vor Beginn der Qualifikation", so Thalhammer. Ähnlich urteilte auch Vierfach-Torschützin Julia Hickelsberger-Füller. "Wir haben alle Spiele gewonnen, unsere Aufgabe erledigt, viel Selbstvertrauen getankt. Deshalb bin ich sehr optimistisch, dass man auch gegen Frankreich etwas mitnehmen kann", meinte die 20-Jährige.

Auf dem Weg zu einer Überraschung soll auch das Publikum eine Rolle spielen. "Ich hoffe, dass wir einen guten Spielort haben und es schaffen, 5000 bis 6000 Leute ins Stadion zu bekommen. Wenn dem nicht so wäre, wäre ich sehr enttäuscht", meinte Thalhammer. Das Torspektakel gegen Kasachstan erlebten immerhin an die 1200 Anhänger mit.

ÖFB erntet nun die Früchte

Dabei ist die ÖFB-Frauen-Truppe im Vergleich zum Halbfinaleinzug bei der EM 2017 vor allem aus spielerischer Sicht nicht wiederzuerkennen. "Da haben wir nur auf den zweiten Ball gespielt und mit langen Bällen operiert, hatten kaum eine Ballzirkulation oder einen Spielaufbau. Wenn man die Spielanlage derart radikal ändert, braucht man Geduld", sagte Thalhammer mit Blick auf die bisweilen langwierige Aufbauarbeit im Team.

Nun werden endlich die ersten Früchte geerntet. So kassierte man 2019 in zehn Anläufen lediglich im Nina-Burger-Abschiedsspiel gegen Schweden (0:2) eine Niederlage. Gegen Kasachstan feierte man nun den insgesamt siebenten Pflichtspielsieg in Folge. Ein 9:0-Spektakel wird es freilich nicht mehr so rasch geben, wobei: Ausschließen sollte man bei diesem Team nichts.(rel/apa)