Eins, zwei, drei: Toni Polsters Hattrick bedeutete letztlich das Ende der Fußball-Auswahl der DDR. - © APAweb / Robert Jäger
Eins, zwei, drei: Toni Polsters Hattrick bedeutete letztlich das Ende der Fußball-Auswahl der DDR. - © APAweb / Robert Jäger

Es waren ereignisreiche Tage für die DDR: Am 9. November wurde die Mauer geöffnet, sechs Tage später trat die ostdeutsche Mannschaft zum WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich in Wien an. Es sollte - wie damals noch niemand wissen konnte - das letzte Spiel der DDR-Auswahl sein. Es endete für sie mit einer 0:3-Niederlage, Toni Polster schoss schoss alle drei Tore - und stieß für das ÖFB-Team damit jenes zur WM 1990 auf.  "Es war für mich einer der hässlichsten, fürchterlichsten Tage und dann einer der schönsten Tage", sagt der Wiener, der vor dem Spiel ausgepfiffen und verschmäht worden war.

Eines sei aber gewiss: "Das Spiel wird immer mit Toni Polster in Verbindung bleiben", sagt der Rekord-Torjäger 30 Jahre später. Mit einem Schuss von der Strafraumgrenze schrieb der damalige Spanien-Legionär gleich in der 2. Minute an, das 2:0 aus einem Elfmeter folgte 20 Minuten später. Im zweiten Abschnitt setzte der 25-Jährige in der 61. Minute den sportlichen Schlusspunkt für die DDR-Auswahl, für die es das letzte Pflichtspiel war, wie sich zeigen sollte.

Was folgte, war ein grenzenloses Jubelkonzert. Dabei hatte es vor dem Match im Stadion noch laute Pfiffe gegen Polster gegeben. "In Wien hat das doch überrascht", sagt der heute 55-Jährige im Gespräch mit der Austria-Presse-Agentur. "Die Gedanken sind immer da, dass man vielleicht selber schuld ist, dass man irgendwas nicht richtig gemacht hat." Anlass zur Kritik bot seine ausbaufähige ÖFB-Quote im Vergleich zur Ausbeute beim FC Sevilla, für den er in der Saison 1989/90 33 Liga-Tore erzielte. Vor der November-Partie vor 57.000 Zuschauern hatte er im Kalenderjahr nur einmal getroffen: beim 1:1-Hinspiel gegen die Deutsche Demokratische Republik am 20. Mai.

"Gott sei Dank war meine Energie grenzenlos"

Grundsätzlich habe er aus Anfeindungen aber immer Energie gewonnen, erzählt Polster. "Ich wollte uns und mir diesen Traum erfüllen. Die Umstände waren sehr schwierig. Aber Gott sei Dank war meine Energie so grenzenlos an diesem Tag, dass ich es gut wegstecken konnte."

Die politischen Umwälzungen in diesen Tagen, die den Ost-Kommunismus wie ein Kartenhaus zusammenstürzen ließen, seien bei den Österreichern nicht so präsent gewesen. "Natürlich hat man das mitbekommen und bemerkt, aber wir waren so fokussiert, weil wir gewinnen mussten. Ein Punkt wäre zu wenig gewesen. Mit diesem Temperament und mit dieser Kraft sind wir rausgegangen", betont Polster. Die DDR unter Trainer Eduard Geyer wäre schon mit einem Unentschieden für die WM 1990 in Italien qualifiziert gewesen.

Am 9. November war die Mauer zwischen Ost- und West-Berlin geöffnet worden. Gelegenheit, die DDR-Sportler wie Matthias Sammer, Ulf Kirsten oder Thomas Doll in Wien darauf anzusprechen, habe es nicht gegeben, sagt Polster. Einen Gegenspieler von damals sollte er Jahre später beim 1. FC Köln besser kennenlernen: Mittelfeldmann Rico Steinmann war am 15. November jener Unglücksrabe, der zum Elfmeter gegen ÖFB-Goalie Klaus Lindenberger antrat - und scheiterte. (apa)