Österreichs Nationalmannschaft fehlt nur noch ein kleiner Schritt zur Euro 2020: Der Mannschaft von Franco Foda reicht am Samstag (20.45 Uhr/ORF 1) im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegen Nordmazedonien schon ein Punkt, um die dritte EM-Teilnahme nach 2008 und 2016 unter Dach und Fach zu bringen. Im Falle einer Niederlage könnte der nötige letzte Punkt auch am Dienstag bei Nachzügler Lettland nachgeholt werden. Allerdings wollen David Alaba und Co. vor heimischem Publikum und mehr als 40.000 Fans mit einem Sieg alles klarmachen. "Wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen, es muss uns aber auch klar sein, dass wir mit viel Einsatzbereitschaft und Leidenschaft auftreten müssen", meinte Foda.

Nur noch ein Schritt zur EM für David Alaba (2. v. l.) und Co. - © apa
Nur noch ein Schritt zur EM für David Alaba (2. v. l.) und Co. - © apa

Der Mainzer spürte in dieser Trainingswoche in Bad Tatzmannsdorf bei seinen Schützlingen eine große Vorfreude. "Jeder weiß, worum es geht. Wir haben es in der eigenen Hand. Jetzt gilt es, das letzte Mosaiksteinchen auf unsere Seite zu bringen", so Foda am Freitag in Wien.

Die Voraussetzungen dafür stehen sehr günstig. Während bei Nordmazedonien - das Hinspiel im Juni ging mit 4:1 klar an die ÖFB-Auswahl - zumindest fünf Spieler wegen Verletzungen und Sperren ausfallen, sind alle ÖFB-Kaderspieler fit. "Ich hatte sehr positive Trainingseindrücke. Die Woche ist bisher ideal verlaufen, wir hatten optimale Bedingungen und konnten uns sehr gezielt vorbereiten", resümierte Foda. Außerdem müssen die Balkan-Kicker in Wien eigentlich auf Sieg spielen, um die letzte Chance in der Gruppe G am Leben zu erhalten. Die weitaus größere Chance auf ein Ticket für die paneuropäischen Spiele haben die Mazedonier aber dann im März, wenn es um den begehrten Play-off-Startplatz der Nations League D geht - gegen Kosovo, Georgien und Weißrussland.

Daher erwartet Foda auch keinen rasend offensiven, sondern einen sich hinten einigelnden Gegner, der auf den Lucky-Punch setzt. "Wir werden viel Ballbesitz haben, brauchen deswegen viel Qualität im Passspiel und eine gute Restverteidigung. Wir wollen den Gegner von Beginn an unter Druck setzen und zügig nach vorne spielen." Dabei gelte es aber, hinten stets auch abzusichern. "Man muss im Fußball immer auf der Hut sein. Man bekommt im Leben nichts geschenkt und muss für einen Erfolg immer hart arbeiten." Auch wenn Foda den Mazedoniern, die vor allem mit Punktgewinnen in Israel und Slowenien aufgezeigt haben, Rosen streut ("Sie haben sich im Laufe der Quali gesteigert. Sie stehen in der Defensive kompakt und haben ihre Qualitäten im Umschaltspiel"), überwiegt doch der Glaube an die eigene Stärke: "Wir haben eine sehr gute Truppe. Ich bin stolz, dass ich diese Mannschaft trainieren kann", betonte der Teamchef.

Offen ist für ihn allerdings noch die Tormannfrage nach dem Ausfall von Cican Stankovic. "Ich habe eine Tendenz", verlautete er am Freitag zur Frage, wer aus dem Trio Alexander Schlager, Pavao Pervan und Jörg Siebenhandl das Rennen macht. Top-Favorit ist freilich aufgrund seiner Erfahrung in internationalen Matches (U21-EM und Europacup) Lask-Goalie Schlager.

Feiern ohne großen Pomp

Kapitän Julian Baumgartlinger attestierte seiner Mannschaft eine enorme Steigerung während der Qualifikationsphase, die ja mit Pleiten gegen Polen und Israel begonnen hatte: "Wir haben definitiv an Reife gewonnen. Wir mussten uns als Mannschaft erst finden, es hat einige Umbrüche und Rückschläge gegeben, aber genau in dieser Phase haben wir uns auf unsere Stärken besonnen, waren fokussiert und haben versucht, das Rundherum auszublenden." Dies sei letztlich die größte Entwicklung des Teams gewesen: "Dass wir das alles durchgezogen haben und jetzt alles in eigener Hand haben."

Auf die Party in spe im Prater freut sich der Leverkusen-Legionär schon: "Ich hoffe, dass wir den letzten Schritt machen und dann gebührend mit den Fans feiern können", meinte Baumgartlinger, dem so wie seinem Trainer ein Punkt doch zu wenig wäre: "Wir wollen den Fans und uns einen Sieg schenken."

Im Gegensatz zur erfolgreichen EM-Qualifikation 2016 gibt es im letzten Heimspiel allerdings keine großen Feierlichkeiten mit Bühne, Musik und Lichtshow wie im Herbst 2015 beim Heim-3:0 gegen Liechtenstein. "Es ist nichts Pompöses geplant", sagte ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold. Damals sei das Ticket schon zuvor in Schweden gelöst worden, diesmal wolle man vor dem letzten Schritt niemanden belasten. Man darf aber sicher sein, dass es die Klassiker - Stadionrunde, Bierdusche, Extra-Endrundentrikots - geben wird.(may)