Franco Foda ist aktuell der erfolgreichste Teamchef in der Geschichte der österreichischen Nationalmannschaft: Nach 21 Länderspielen hält der Mainzer bei einem Punkteschnitt von 2,1 Zählern (14 Siege, 2 Remis) - der Abstand auf Karl Stotz (1978-81) mit 1,88 Punkten ist durchaus respektabel. Viel wichtiger als diese Momentaufnahme ist dem langjährigen Sturm-Coach aber die am Samstagabend im Prater endgültig fixierte EM-Teilnahme, die er nicht hoch genug einordnen konnte. "Das ist ein außergewöhnlicher Moment", sagte der 53-Jährige nach dem 2:1-Sieg über Nordmazedonien, das ihm auch ein persönliches Karrierehighlight bescherte. "Wenn man Nationaltrainer von einem Land ist, in dem man schon seit über 20 Jahren lebt, ist das schon etwas Besonderes."

Nach den kurzen, aber intensiven Feierlichkeiten in Wien folgte am Montag die Reise nach Lettland, wo am Dienstag (20.45 Uhr/ ORF1) die Qualifikationsphase ihren Abschluss findet. Sowohl für die Konstellation in Gruppe G als auch für die Topfeinteilung der EM-Gruppenauslosung am 30. November hat die Partie gegen den Punktelieferanten keine Relevanz mehr. Österreich kann nicht mehr Gruppensieger werden und sich im Ranking der besten Gruppenzweiten auch nicht verbessern, da die Spiele gegen den Letzten nicht eingerechnet werden - ergo dürfte die ÖFB-Elf aus Topf drei gezogen werden.

Jeder kann sich reinspielen

Dennoch hat Foda rasch klargemacht, dass die Partie im Baltikum mehr als nur statistischen Wert für ihn hat. "Wir wollen das letzte Spiel gewinnen, da wollen wir wieder eine Top-Top-Top-Mannschaft aufstellen." Allerdings hat er gleich sieben Stammkräften für den Qualifikationsausklang freigegeben: David Alaba, Marko Arnautovic, Martin Hinteregger, Marcel Sabitzer, Konrad Laimer, Stefan Lainer und Andreas Ulmer durften vorzeitig zu ihren Klubs zurück, weil dort wichtige nationale wie internationale Einsätze warten. Den restlichen Kaderspielern empfiehlt der Teamchef durch die Blume, alles für ihr Land zu geben - schließlich beginne ab sofort der Kampf um das EM-Leiberl. "Jeder, der Leistung bringt, kann sich noch in die Mannschaft spielen. Es gibt zwar einen gewissen Stamm, aber wir haben einen Pool von 30, 40 Spielern, die in der Lage sind, für das Nationalteam zu spielen. Der Kader und der Konkurrenzkampf sind größer geworden", erklärte Foda. Dazu zählen auch Maximilian Wöber (Salzburg) und Maximilian Ullmann (Rapid), die von Foda nachnominiert wurden.

Somit stehen in Riga mit Julian Baumgartlinger, Aleksandar Dragovic, Valentino Lazaro und Alexander Schlager nur vier Spieler, die beim 2:1 gegen Nordmazedonien in der Anfangsformation standen, auf dem Matchbericht. Dennoch gäbe es keinen Grund, an der Schlagfertigkeit der Truppe zu zweifeln, so Foda: "Es braucht keiner denken, dass wir mit einer B-Garnitur anreisen, im Gegenteil. Ich habe absolutes Vertrauen in alle Spieler." Wie seine wohl ziemlich einmalige Aufstellung aussehen wird, ließ Foda naturgemäß offen. Fix scheint aber, dass Lazaro und Dragovic ob ihrer nicht allzu großen Spielpraxis bei ihren Vereinen in der Startformation stehen werden; Kapitän Baumgartlinger wollte die Reise unbedingt mitmachen, dürfte aber nicht über die volle Distanz zum Einsatz kommen.

Posch, Trimmel, Goiginger

In der Abwehr dürfte Christopher Trimmel anstatt Lainer als Rechtsverteidiger gesetzt sein, auch Stefan Posch - Goldtorschütze in Slowenien - ist ein heißer Anwärter für die Anfangself. Der Hoffenheim-Verteidiger sieht das Ganze positiv: "Es gibt eben einen großen Konkurrenzkampf, und der kommt der ganzen Mannschaft zugute. Das treibt jeden an, Höchstleistungen abzuliefern."

Vorne wird Foda wohl Lask-Flügelflitzer Thomas Goiginger zum Länderspieldebüt verhelfen. "Da würde ein Kindheitstraum wahr werden, davon träumt jeder Fußballer", sagte der 26-Jährige.