Teamchefwechsel gehen selten geräuschlos vonstatten, im spanischen Fußball kann man davon ganze Arien schmettern. Unmittelbar vor der WM 2018 musste Julen Lopetegui gehen, weil vorab sein Wechsel zu Real Madrid – eigentlich gedacht für die Zeit nach der WM – bekannt gegeben worden war und der Verband sich übergangen gefühlt hatte; sein Nachfolger Fernando Hierro wiederum war seinen Job nach dem Achtelfinal-Ausscheiden gegen die Gastgeber auch schon wieder los – vom Einspringer zum Abspringer sozusagen. Danach sollte mit dem ehemaligen Barcelona-Erfolgstrainer Luis Enrique wieder Ruhe am Teamchefposten der Furia Roja einkehren – bis dieser im Juni aus zunächst nicht näher genannten persönlichen Gründen zurücktrat und durch Roberto Moreno ersetzt wurde, mit dem sich die Spanier am Montag mit einem 5:0-Sieg über Rumänien die Setzung in Lostopf 1 für die Fußball-EM 2020 sicherten. Nun ist Moreno wieder weg und Enrique wieder da, wie der Verband RFEF am Dienstag bekannt gab.

"Es war immer klar, dass Luis Enrique zurückkehren würde, wenn er zurückkehren wollte", erklärte RFEF-Präsident Luis Rubiales. "Luis Enrique hat uns seinen Wunsch übermittelt, zurückzukommen", sagte Rubiales, dem zufolge "die Tür immer offen geblieben" war. "Wir sind sehr zufrieden mit Roberts Arbeit, und wir sind ihm dankbar, aber der Chef des Projekts ist Luis Enrique", betonte er.

Mittlerweile ist nämlich auch bekannt, warum Enrique sich damals zurückzog: Seine neunjährige Tochter war an Knochenkrebs gestorben. Moreno, der viele Jahre als Enriques Assistent gearbeitet hatte, wurde damals als offizieller Nachfolger berufen. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Der 42-Jährige kann sieben Siege, zwei Unentschieden und die EM-Qualifikation als Gruppensieger vorweisen. Moreno hatte seine Amtsübernahme "mit gemischten Gefühlen" beschrieben, im September erklärte er, dass er jederzeit für einen rückkehrwilligen Luis Enrique Platz machen würde. Doch ganz glücklich dürfte er mit der nunmehrigen Ablöse auch nicht sein. Zuletzt hatte er noch gemeint: "Es ist normal, dass dein Job infrage gestellt wird, vor allem, wenn du im Scheinwerferlicht stehst. Meine Chance zu bleiben, beträgt 100 Prozent." Aber Prozentrechnungen funktionieren im Fußball ebenso selten, wie Teamchefwechsel geräuschlos erfolgen. (art)