Zumindest hat es diese Niederlage geschafft, alle anderen Misstöne im kollektiven Qualifikationsjubel schlagartig zum Verstummen zu bringen: die (überzogene, weil verschwörungstheoretische) Aufregung um die neue Auswärtsdress, der "Schülermannschaft"-Disput zwischen Kapitän und Präsident sowie der kleine Schlagabtausch um eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Franco Foda vor laufender Kamera. Alles für sich wäre geeignet gewesen, im ausklingenden Länderspieljahr noch näher ausformuliert zu werden - aber nun hat es die Nationalmannschaft überraschend geschafft, doch wieder sportlich die Schlagzeilen zu dominieren. Wobei dies eher Un-Sport war. Die zwar bedeutungslose, aber trotzdem unnötige und alles in allem blamable 0:1-Niederlage am Dienstagabend gegen den Gruppe-G-Prügelknaben Lettland zum Jahresabschluss sorgt letztlich für gehörig Unruhe im Getriebe des österreichischen Fußballbundes.

Denn auch, wenn in Riga mit Kapitän Julian Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic nur zwei Spieler, die auch vor drei Tagen gegen Nordmazedonien in der Startformation gestanden waren, aufliefen - der zweite ÖFB-Anzug bestand dennoch aus gestandenen Bundesliga-Profis und Legionären, die in Normalform den Sieg hätten einfahren müssen. Oder ist es um die berühmte Kader-Tiefe - die als großer Schlüssel zum Qualifikationserfolg samt Unterscheidungsmerkmal gegenüber 2016 zuletzt oft genannt wurde - doch nicht so gut bestellt? Foda war jedenfalls stinksauer und kritisierte seine Spieler scharf: "Es hat in allen Bereichen sehr viel gefehlt, bei Intensität, Zweikämpfen, Passspiel, Tempo. Wir hatten auch nicht so viele große Chancen wie in den Spielen zuvor."

Selbst wenn die zu spät gestartete Schlussoffensive, die die Schmach hätte abwenden sollen, Erfolg gehabt hätte, wäre ein Punktgewinn unverdient gewesen. "Es hat auch die Laufbereitschaft gefehlt", gab Foda zu. Verwunderlich mutet zudem an, dass keiner der in die Mannschaft gerückten Reservisten die von Foda ausgerufene Chance auf ein EM-Leiberl mit zumindest ausgeprägtem Kampfgeist nutzen konnte. Lediglich etwas Lob verteilte der Teamchef an Dragovic, Stefan Posch, Karim Onisiwo und Reinhold Ranftl. Nachsatz: "Wenn man nicht bei 100 Prozent ist, ist es schwierig zu gewinnen, egal gegen welchen Gegner." Dann wird für den EM-Teilnehmer sogar die Nummer 143 der Welt, die zuvor in neun EM-Qualifikationsspielen null Punkte (Torverhältnis 2:28) eingefahren hatte, zur unüberwindbaren Hürde.