Er ist der Traum aller Fußballer, die Monstranz der Maradonas und Matthäus’, der Pokal der Pokale: Die Fifa-WM-Trophäe wird nur alle vier Jahre an die beste Fußballnation vergeben - aber ihr umgehend auch wieder entrissen. Denn wer geglaubt hat, aktuell befände sich der knapp sechs Kilo schwere Pokal aus 18-karätigem Gold im Land des Weltmeisters - vielleicht irgendwo in einem Tresor im Pariser Louvre -, der irrt gewaltig. Denn der Équipe tricolore blieb nach dem Titel lediglich ein Duplikat, während das Original flugs zurück in die Fifa-Hauptstadt Zürich transferiert wurde. Wo es im neuen "World Football Museum" hinter einer Glasvitrine von allen Augen bestaunt werden kann.

Angreifen ist freilich - wie bei allen Heiligtümern - streng verboten; der (noch jungen) Legende nach, dürfen den 1974 erstmals verliehenen Goldpokal mit den beiden grünen Malachit-Ringen nämlich nur echte Fußballweltmeister sowie Staatsoberhäupter berühren. Für das gemeine Fußballvolk gibt es immerhin seit der Museumseröffnung anno 2016 die Möglichkeit für Selfies. Dass man sich dafür so lange anstellen müsste, wie ein frischgebackener Weltmeister, der mit dem heiligen Kickergral solo posieren möchte, ist aber auch nur eine Legende. Denn beim Besuch der "Wiener Zeitung" an einem verregneten Herbstnachmittag ist die Trophäe zwar eindeutig der Top-Star aller Exponate, aber Erinnerungsbilder lassen sich mangels Besuchermassen recht ungestört anfertigen.

Der Pokal der Pokale: Den Franzosen sofort entrissen, ist die Trophäe dauerhaft nur in Zürich zu bestaunen. - © V. Mayr
Der Pokal der Pokale: Den Franzosen sofort entrissen, ist die Trophäe dauerhaft nur in Zürich zu bestaunen. - © V. Mayr

Für den Gast aus Österreich sind - erst recht nach der erfolgreichen EM-Qualifikation - vor allem die rot-weiß-roten Spuren im Museum von Interesse. Deren gibt es doch einige:

Fast 100 Jahre zurückgeblickt, findet sich das Ur-Wappen der Austria unter den mehr als 1000 Exponaten - als sich die Violetten bei Einführung der Profiliga anno 1924 von Wiener Amateure SV zum FK Austria Wien umbenannten. Immerhin schön für die Austria, ein solches Platzerl in der Arche des Sports zu haben, während man in der Gegenwart um einen in der Bundesliga rangeln muss.

"Ein Kind aus Favoriten" war bekanntlich nach Friedrich Torberg auch Matthias Sindelar - und "er spielte Fußball wie kein Zweiter": Und so sicherte sich Sindelar - mit schroffen Gesichtszügen und in Giftgrün ikonisiert - seinen Platz auf dem großen Museumsplakat zur WM 1934. Der "Papierene" - genauso steht es auch dort - hätte das Wunderteam von Hugo Meisl (auch er ist auf einer Karte klein abgebildet) in Italien beinahe zum Titel geführt. Allerdings endete die nun unverblümt als "Coppa del Duce" dargestellte WM unter dubiosen Umständen (Diktator Benito Mussolini soll seine Finger im Spiel gehabt haben) gegen Italien im Semifinale.