Mit diesem Team sind wir unschlagbar." Es waren starke Ansagen, mit denen Martin Bruckner zu Beginn seiner Tätigkeit als neuer Rapid-Präsident aufwartete - auf die dann aber sogleich versöhnliche Töne folgten. Nach einem langen, zermürbenden und bisweilen zur Schlammschlacht stilisierten Wahlkampf um die Nachfolge des seit 2013 im Amt befindlichen Michael Krammer sowie einer Kampfabstimmung, die er mit 1059:926 Stimmen der Mitglieder gegen seinen Widersacher Roland Schmid gewann, sieht es der 54-Jährige als eine seiner ersten Aufgaben an, "Gräben zuzuschütten", wie er auf der ordentlichen Hauptversammlung am Montagabend im Allianz-Stadion sagte. "Wir werden nach diesem Wahlkampf in größerer Runde auf ein Bier miteinander gehen und auch deren Ideen mitnehmen", kündigte Bruckner an. "Wir nehmen gerne Rat von anderen an, sind nicht die, die, die Weisheit erfunden haben."

Hoffnungsvoller Blick in die grün-weiße Zukunft: Martin Bruckner. - © apa/H. Pfarrhofer
Hoffnungsvoller Blick in die grün-weiße Zukunft: Martin Bruckner. - © apa/H. Pfarrhofer

Auch Schmid gratulierte dem Siegerteam, dem neben Bruckner auch Nikolas Rosenauer, Philipp Newald sowie als neue Präsidiumsmitglieder Ex-Rapidler Gerald Willfurth, Michaela Dorfmeister, Monisha Kaltenborn, Gerhard Höckner und Fanszene-Vertreter Stefan Singer als neue Präsidiumsmitglieder angehören und die als "Liste Leitbild" angetreten war. Dieses wurde 2015 erarbeitet und betont die "Gemeinschaft", "Werte aus Tradition", das Bekenntnis zum Standort Hütteldorf - der spätestens mit dem Bezug des Allianz-Stadions ohnehin nicht in Frage steht -, "Offenheit" und Streben nach Erfolg. War dieser in den Jahren unter Krammer wirtschaftlich durchaus eingetreten - die Umsätze konnte man seither auf mehr als 30 Millionen Euro pro Jahr beinahe verdoppeln, so hat die lange sportliche Durststrecke doch so manche enttäuscht. Seit der Meisterschaft 2008 warten die Grün-Weißen bisher vergeblich auf einen nationalen Titel, in der vergangenen Saison verpasste man sogar die Meisterrunde in der Bundesliga. Dennoch sitzen Trainer Dietmar Kühbauer und Zoran Barisic als Geschäftsführer Sport ebenso wie Christoph Peschek, Geschäftsführer Wirtschaft, durch die Wahl Bruckners fester im Sattel, als es möglicherweise bei Schmid der Fall gewesen wäre. Allerdings ist mit Willfurth, der mit Rapid je viermal Meister und Cupsieger war, erstmals auch ein Ex-Profi im Präsidium vertreten, womit ein oftmals geäußerter Wunsch Realität wurde. "Ich werde mein Bestes geben, um den Verein sportlich wieder erfolgreich zu machen. Die besten Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, ist eines meiner primären Ziele", sagte der 57-Jährige, der Bindeglied zwischen Präsidium und sportlicher Leitung sein wird. Eine einheitliche Spielphilosophie soll auf dem Platz erkennbar sein und sich durch alle Teams ziehen. Ein anderes wichtiges Rapid-Thema in nächster Zeit ist die Einberufung eines Satzungskonvents. "Wir müssen Rapid ein rechtliches Korsett für das dritte Jahrtausend geben, damit trotz voranschreitender Professionalisierung die im Leitbild festgeschriebenen Rapid-Werte unverrückbar sind", sagte Rosenauer.

Ein Tag ohne Stress, dann geht die Arbeit los

Langweilig wird dem neuen Präsidenten also sicher nicht werden. "Ich werde mehr Arbeit haben, aber das habe ich schon gewusst, als ich kandidiert habe. Dem stelle ich mich gerne", erläuterte Bruckner. Stellen wird er sich zu Beginn auch intensiv den Medien. "Dann werde ich mich allerdings medial eher zurückziehen", kündigte er an. Bezüglich seiner Amtszeit nimmt er sich seinen Vorgänger als Vorbild. "Zweimal drei Jahre ist eine gute Zeit. In sechs Jahren bringt man schon sehr viele Energie auf, dann kann man auch einmal andere ans Ruder lassen", meinte Rapids Neo-Chef. Völlig offen ist dabei, ob es nach drei Jahren wieder zu einer Kampfabstimmung um das höchste Rapid-Amt kommen wird. Allein die Frage, ob zwei Listen zugelassen werden, hat Rapid im Vorfeld der Wahl lange beschäftigt. Während etliche Klub-Legenden, die sich für den nunmehr unterlegenen Schmid stark gemacht hatten, sogar in einem offenen Brief dafür plädiert hatten, fürchten viele, dass sich die grün-weißen Gräben dadurch nur vertieft haben könnten. Dass auch er vom Wahlkampf gezeichnet ist, wollte Bruckner gar nicht abstreiten. "Ich freue mich, dass ich jetzt einmal einen Tag ohne Stress aufwachen kann", sagte er. Danach sollen den starken Worten Taten folgen. (art/apa)