Robert Lewandowski zum ersten, Robert Lewandowski zum zweiten, zum dritten und zum vierten. Die nach Belgrad mitgereisten Fans des FC Bayern München hatten sich noch nicht vom Jubeln wieder auf die Plätze gesetzt, da landete schon wieder ein Ball im Netz; vier von insgesamt sechs Mal erzielt vom Münchner Torjäger Nummer eins, und das Ganze zwischen Minute 53 und 67.

Gestoppte 14 Minuten und 31 Sekunden waren also vergangen, ehe sich Lewandowski einen weiteren Eintrag in die Rekordbücher des Fußballs gesichert hatte und seinen Champions-League-Arbeitstag am Dienstag vorzeitig beenden durfte. Corentin Tolisso und Leon Goretzka waren die weiteren Torschützen, insgesamt fixierte Bayern mit einem 6:0 bei Roter Stern vorzeitig den Gruppensieg in Pool B.

Vor den Mittwochsspielen der Champions League liegt also nicht Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo in der Torschützenliste voran, sondern Lewandowski, der mit seinen zehn Treffern Salzburgs Erling Haaland (7) überholte. Dieser hat heute die Chance nachzuziehen, um 21 Uhr gastiert der österreichische Meister bei Genk. Im Hinspiel hatte er bei seinem Champions-League-Debüt drei Tore erzielt.

Für Lewandowski ist es nicht das erste Mal, dass er eine derartige persönliche Bilanz aus einem Spiel mitnimmt: 2013 hatte er, damals noch im Dress Borussia Dortmunds, ebenfalls vier Treffer gegen Real Madrid erzielt, ehe seine Mannschaft im Endspiel gegen – ausgerechnet – die Bayern verloren. Und zwei Jahre später schaffte er, damals schon für München, gegen Wolfsburg sogar um einen Treffer mehr – und das binnen nicht einmal zehn Minuten.

"Das Wichtigste ist, dass wir Spaß haben"

Nach der neuerlichen Glanztat in Serbien applaudierten sogar die gegnerischen Fans, die Teamkollegen ergingen sich in Lobeshymnen. Er selbst wollte lieber die Mannschaftsleistung und die Stimmung, die unter Trainer Hansi Flick zurückgekehrt ist, betont wissen. "Alle schauen nur auf meine Tore. Doch das Wichtigste ist, dass wir Spaß haben", sagte der 31-Jährige.

Doch kaum jemand verkörpert das so wie er. Denn wenn auch die Phrase, jemand treffe nach Belieben, bisweilen inflationär gebraucht wird, trifft sie in Lewandowskis Fall zu. Schließlich ist es nicht nur die Anzahl seiner Tore, sondern auch die Art und Weise, wie er sie erzielt, die es für die Gegner so schwierig macht, ihn auszurechnen oder gar aus dem Spiel zu nehmen. War er zunächst (nachdem schon sein erstes vermeintliches Tor wegen eines vorangegangenen Handspiels Tolissos aberkannt wurde) vom Elfmeterpunkt erfolgreich, ließ er danach aus kurzer Distanz, danach per Kopf und schließlich nach einem schönen Doppelpass erfolgreich.

Auch das zeigt, wie unverzichtbar sich Lewandowski in den etwas mehr als fünf Jahren für die Münchner gemacht hat, seit er damals vom Erzrivalen Borussia Dortmund gekommen war. Und während sich manch teurer Transfer seit damals als Flop erwiesen hat, hat sein Engagement damals nicht einmal eine Ablöse gekostet. Aktuell wird sein Marktwert vom Branchendienst transfermarkt.de auf 65 Millionen Euro taxiert. Für die Bayern freilich ist das viel zu wenig – viel lieber würden sie ihm das Etikett "Unverkäuflich" umhängen.