Die Glücksfee war wieder einmal den Österreichern hold: Wie bei der EM 2016, der WM-Qualifikation 2018 und der gerade absolvierten EM-Qualifikation wurde dem ÖFB-Nationalteam für die Euro 2020 kein unüberwindbares Kaliber zugelost. Mit den Niederlanden und der Ukraine sowie einem Play-off-Kandidaten aus dem Quintett Rumänien/Georgien/Nordmazedonien/Kosovo/Weißrussland hat das Team von Franco Foda ganz gewiss eine glückliche Wahl bekommen, die Richtung Achtelfinale alle Optionen offenlässt. Vorausgesetzt, die Form passt - anders als 2016 - einmal auch beim Endrundenturnier. Zuvor gilt es aber nun im Eiltempo, das Organisatorische zu fixieren, was angesichts der Spielorte Bukarest (erstes und drittes Spiel) und Amsterdam etwas herausfordernd wird.

Zunächst zu den bekannten Gegnern: Die aus den ersten Topf gelosten Ukrainer sind von den gesetzten Spitzenteams gewiss der angenehmste Gegner, die wiedererstarkten Oranje auf der anderen Seite der unangenehmste aus dem Zweiertopf.

Die Elf von Andrij Schewtschenko ist zwar (in einer Gruppe mit Portugal und Serbien) ungeschlagen durch die Qualifikation gerauscht, hat aber in den vergangenen Jahren bei Endrunden stets versagt. Bei der Heim-EM 2012 folgte für die Ukraine das Aus in der Vorrunde als Dritter, vor vier Jahren in Frankreich gab es im Pool C mit Deutschland, Polen und Nordirland keinen einzigen Punkt. Seit der Nations League im Vorjahr - B1-Gruppensieger - läuft es allerdings wieder rund für die Stars um Andrij Jarmolenko und Jewhen Konopljanka.

Klarer Gruppenfavorit sind aber die Niederländer, nicht nur wegen der drei Heimspiele in der Johan-Cruyff-Arena zu Amsterdam. Seit der verpassten EM 2016 und der WM 2018 hat Ronald Koeman die Elftal radikal verjüngt und sie langsam wieder zu einer schlagkräftigen Truppe mit Titelambitionen verwandelt. "Sie haben sich in den letzten zwei Jahren stabilisiert und viele junge Spieler bei großen Klubs", meinte ÖFB-Teamchef Franco Foda über den zweiten Gruppengegner. Mit 625 Millionen Euro Marktwert (laut transfermarkt.at) zählen die Oranje dank Virgil van Dijk (Liverpool), Matthijs de Ligt (Juventus) und Memphis Depay (Lyon) zu den absoluten Top-Teams Europas. Der erste Titelgewinn seit der EM 1988 blieb den Oranje im Juni in der National League (0:1 gegen Portugal) knapp verwehrt.

Wer der Vierte im Bunde sein wird, entscheidet sich erst an den beiden Play-off-Spieltagen Ende März: Co-Gastgeber Rumänien wäre sicher aufgrund des Heimrechts in der Arena Nationala ein unangenehmer Kontrahent für David Alaba und Co. - allerdings müssten die Rumänen zuerst auswärts Island und dann noch einmal auswärts den Sieger aus Bulgarien vs. Ungarn aus dem Weg räumen. Gelingt dies nicht, tritt der aus ÖFB-Sicht günstigste Fall ein und ein EM-Neuling aus der untersten Nations-League-Kategorie D ist Österreichs Auftaktgegner am 14. Juni: Georgien/Weißrussland und Nordmazedonien/Kosovo spielen sich das begehrte Ticket der kleinen Nationen aus. In diesem Fall wäre ein Auftaktsieg ein Muss, womit dann auch der Weg zum Achtelfinale geebnet wäre (da ja auch vier der besten sechs Gruppendritten aufsteigen). "Bei der EM gibt es keine leichten Gegner", stellte Foda allerdings unmissverständlich klar - wohl ein Seitenhieb auf die letztlich unterschätzten Gruppengegner Ungarn und Island vor vier Jahren. "Wir freuen uns auf das Turnier, und ich glaube schon, dass wir Möglichkeiten haben, ins Achtelfinale zu kommen."

In Österreich oder Rumänien?

Zuvor gilt es nun, die Weichen für die Vorbereitung zu stellen. Laut ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold sollen bis Weihnachten die Eckpunkte stehen. Ende März steigen zwei Freundschaftsspiele und möglicherweise ein Trainingscamp im Ausland, Ende Mai/Anfang Juni gibt es die letzten beiden Tests. Die Gretchenfrage ist, ob das Basecamp während der EM in Österreich (Burgenland oder Niederösterreich) aufgeschlagen wird oder gleich in Rumänien. "Wir werden die Rahmenbedingungen so gestalten, dass es für die Mannschaft und die mitreisende Community optimal ist", kündigte ÖFB-Präsident Leopold Windtner an.