Die große Krise bei den Wiener Bundesligaklubs ist nach dem schlechten Saisonstart vorerst abgesagt. Und der Sieger des 330. Wiener Derbys am Sonntag (17 Uhr/Sky, A1-TV) darf sich in der Tabelle wieder nach oben und also Richtung der eigentlichen Saisonziele orientieren - die Heimelf Rapid hat Rang drei (zwei Zähler fehlen auf den WAC) im Visier, die Austria wiederum hat bei einem Fünf-Punkte-Rückstand und sechs ausstehenden Partien im Grunddurchgang das Meister-Play-off noch lange nicht abgeschrieben.

Zudem gilt es für die Violetten, die Erfolgsserie beim Erzrivalen zu wahren. Denn just in Rapids neuer Heimstätte sind sie in fünf Spielen noch ungeschlagen, drei Siege und zwei Remis stehen zu Buche. Christian Ilzer erwartet - wie könnte es für ein Derby anders sein - ein "sehr intensives" Spiel. Austrias Cheftrainer rief am Freitag nur die Ergebnisse der beiden Stadtrivalen in der vergangenen Bundesliga-Runde in Erinnerung. "Die Vorzeichen für ein sehr gutes Spiel stehen gut. Ich kann mich kaum erinnern, dass Austria und Rapid an einem Wochenende mit einem Gesamtscore von 9:0 gewonnen haben." Die Austria liegt aktuell auf dem siebenten Tabellenrang, neun Zähler hinter Rapid. "Wir werden nicht als großer Favorit nach Hütteldorf fahren, sind aber auch nicht krasser Außenseiter", meinte Ilzer. Das 5:0 gegen den Meistergruppen-Rivalen Hartberg beflügelte die violetten Hoffnungen auf einen Sieg im Westen Wiens. 2:0, 2:0, 2:2, 1:1, 1:0 lauten die Resultate der Austria im Allianz-Stadion seit Oktober 2016. "Es gibt uns ein gutes Gefühl und ein bisschen Kraft. Wir wollen die Serie fortsetzen, aber es geht dennoch nur um die drei Punkte. Die brauchen wir natürlich", meinte Verteidiger Florian Klein dazu.

Junge violette Welle

Die Austria setzt zwangsläufig wieder auf die junge Eigenbau-Welle: Benedikt Pichler, Manprit Sarkaria und Dominik Fitz dürften auch gegen Rapid beginnen und das Offensivquartett mit Stürmer Christoph Monschein bilden. Ilzer sprach von einem "erfrischenden Element", das die jungen Akteure gegen Hartberg eingebracht hätten, warnte aber vor zu großen Erwartungen. Fitz hat gegen Rapids Profis bisher bei zwei Einsätzen 63 Minuten gespielt, Sarkaria nur 4. Für Pichler ist es die Derby-Premiere.

Auch Rapid-Coach Dietmar Kühbauer erwartet eine enge Partie. "Es wird die Mannschaft gewinnen, die mehr ins Spiel investiert", vermutete der Burgenländer. "Der Sieg gegen den Lask hat uns viel Selbstvertrauen gegeben, dort müssen wir jetzt weitermachen." Mit der Situation bei der Austria beschäftigt sich der Ex-Teamspieler nur peripher. "Wir müssen darauf schauen, dass wir eine gute Performance abliefern."

Ein Derby-Heimsieg könnte sich gleich mehrfach für die Hütteldorfer rentieren: Verliert der WAC im Spitzenduell gegen den Lask, wäre man plötzlich Dritter; der Derby-Heimfluch in der neuen Arena wäre endlich besiegt; und nebenbei würde der Stadtrivale wohl endgültig ins Abstiegs-Play-off gestoßen. Womit auch eine andere Taktik als beim 4:0-Konter-Kantersieg beim Lask gefragt ist: "Hinten reinstellen steht nicht für Rapid", sagte der Coach. Aber blind nach vorne stürmende Rapidler wird das Publikum auch nicht zu sehen bekommen. "Wir müssen den Leuten etwas bieten, ohne naiv zu sein."

25.000 Fans erwartet

Für das letzte Heimspiel der Hütteldorfer in diesem Jahr - und möglicherweise das letzte Derby in dieser Saison - waren am Freitag für Rapid-Fans nur noch wenige hundert Restkarten erhältlich. Da etwa 1500 Austria-Fans erwartet werden, dürften insgesamt mehr als 25.000 Zuschauer die Drehkreuze passieren.(may/apa)