Die wichtigste Erkenntnis nach dem verlorenen Gruppenfinale gegen Titelverteidiger Liverpool ist ganz sicher jene: Salzburg hat auch im letzten Champions-League-Spiel bewiesen, dass es mit der Crème de la Crème von Fußball-Europa mehr als nur mithalten kann. Der derzeit beste Klub der Welt musste beim 2:0 am Dienstag nicht nur seine volle Mannstärke einsetzen, sondern eine gute Stunde auch volles Programm fahren, um die Salzburger letztlich per Doppelschlag in die Knie zu zwingen. Damit hat die Red-Bull-Truppe bei ihrem Premierenauftritt in der Königsklasse vor allem auch für den österreichischen Fußball Großes geleistet: Denn es ist schon Jahrzehnte her, dass sich eine (National-)Mannschaft aus der Alpenrepublik zur Weltspitze zählen durfte - und dies, wie nun Salzburg, auch im offenen Schlagabtausch unter Beweis gestellt hat. In der Europa League war Salzburg zuletzt schon eine große Nummer, die Champions League aber ist als höchstklassiger Fußballbewerb der Welt noch einmal eine ganz andere Kategorie.

Und letztlich waren es - wie so oft im immer enger werdenden modernen Fußball - Kleinigkeiten, dumme Fehler, die über Wohl und Wehe entschieden. Nicht nur am Dienstag, als der bis dahin in Weltklassemanier haltende Cican Stankovic zwei Mal zu forsch aus dem Tor stürmte, oder als die Kopfballrückgabe von Jerome Onguene jäh verkümmerte. Topstars wie Naby Keita (57.) und Mohamed Salah (58.) nutzen solche Makel, die sich in einer hierzulande an Intensität unübertroffenen Partie fast zwangsläufig ergeben, eiskalt aus. Aber es gab die Fehler auch in anderen Spielen, als die Jesse-Marsch-Elf teures Lehrgeld in der Königsklasse zahlen musste und so wertvolle Punkte liegen ließ - die dann am Ende auch für den Achtelfinalaufstieg fehlten: Etwa ein dummer Ballverlust vor dem 3:4 im Hinspiel in Anfield; oder der zu lange ausgekostete Jubel nach dem 2:2 zu Hause gegen Napoli, der prompt mit einem weiteren Gegentreffer bestraft wurde.

Auch gegen Liverpool, das zwar erwartungsgemäß mehr zwingende Chancen herausspielte, fehlten zur Führung nur ein paar Zentimeter - oder ein Erling Haaland in der Septemberform. Gerne hätte man gesehen, wie die Elf von Jürgen Klopp einen Rückstand im Salzburger Tollhaus mit gut 30.000 Fans im Rücken weggesteckt hätte. Der Applaus von Klopp vor dem obligatorischen Shakehands mit Marsch nach Abpfiff darf sinnbildlich für den Respekt, den sich der Königsklassen-Novize in kurzer Zeit erarbeitet hat, stehen. Vor allem, weil - untypisch auf diesem Niveau - die mangelnde Erfahrung der völlig neu zusammengewürfelten jungen Salzburg-Elf keine Rolle spielte, sondern erfrischender Offensivfußball mit Herz von der ersten bis zur letzten Minute geboten wurde. Kein Ballhalten, kein Hintenreinstellen, kein Abwarten - sondern Toreschießen war das Motto: Deren 16 sind es geworden, und weil hinter 13 reingingen, bekamen die Fans nirgendwo sonst so viel Spektakel geboten wie bei den Salzburg-Spielen.