Eigentlich mausetot" sei der Gegner gewesen, sagte Trainer Valérien Ismaël; "wir haben sie phasenweise an die Wand gespielt", resümierte Lasks Mittelfeldmann Peter Michorl. Es war der 3. Oktober, als Trainer und Spieler des österreichischen Vizemeisters nicht wussten, ob sie lachen oder weinen sollten. Im zweiten Gruppenspiel hatte man auswärts bei Sporting Lissabon mit 1:2 verloren, und das nicht nur trotz einer fantastischen Leistung, sondern auch einem klaren Plus an Chancen, gespielten Pässen, Balleroberungen und Eckbällen. "Wir haben Lehrgeld bezahlt, aber wir werden gestärkt daraus hervorkommen", sagte Ismaël.

Was damals vielleicht wie die üblichen Durchhalteparolen klang, setzte seine Mannschaft seither in der Europa League eindrucksvoll in die Tat um. Nachdem der Lask schon das Auftaktspiel gegen Rosenborg Trondheim gewonnen hatte, folgten der bitteren Niederlage ein 0:0 sowie ein fulminantes 4:1 in den Duellen mit Eindhoven sowie ein 2:1-Auswärtssieg in Trondheim und der damit verbundene Aufstieg ins Sechzehntelfinale. Doch damit hat der Lask nicht genug, am Donnerstag (18.55 Uhr/Puls4) soll gegen Sporting zum einen die Revanche für jenen 3. Oktober, zum anderen der Gruppensieg in Pool D her. Vor dem abschließenden Spiel liegen die Oberösterreicher zwei Punkte hinter den Portugiesen, gegen die man vor allem beweisen will, welche Entwicklungsschritte man seither schon gemacht hat. Die Mannschaft lerne es schön langsam, "was es bedeutet, eine Topmannschaft zu sein", hatte Ismaël schon nach dem aufstiegbringenden Sieg gegen Rosenborg gemeint. Dort habe man zwar nicht unbedingt geglänzt, sich den Sieg aber letztlich verdient erarbeitet.

"Und wenn Mutter Theresa kommt, interessiert mich das nicht"

Jedes weitere Spiel in der Europa League - sowohl am Donnerstag als auch die mindestens zwei Begegnungen mit einer weiteren europäischen Topmannschaft in der K.o.-Runde im Frühjahr - kann dieser Entwicklung, die schon im Vorjahr unter Oliver Glasner begann, freilich nur zuträglich sein. Schon jetzt aber hat der Lask mehr erreicht, als viele ihm vor dem Antritt der Reise durch Europa zugetraut hatten. "Hättet ihr geglaubt, dass wir am Ende dieser Gruppe Erster sein könnten? Allein das ist schon ein gutes Gefühl. Wir haben uns das durch eine Leistung über Monate verdient, das ist kein Zufall", sagte Ismaël. Tatsächlich ist der Gruppensieg nicht unmöglich, zumal der 18-fache portugiesische Meister nicht in Bestbesetzung antritt. Ex-Barcelona-Verteidiger Jérémy Mathieu blieb wie etwa auch der sonst gesetzte Stürmer Luciano Vietto in der Heimat. In Portugals Teamspieler Bruno Fernandes fehlt der Beste gelbgesperrt, er war beim klaren 4:0-Heimsieg über Eindhoven zuletzt an allen vier Toren als Torschütze oder Vorbereiter beteiligt. "Uns ist egal, wer spielt", sagte Ismaël. "Da kann Mutter Theresa kommen, das interessiert mich nicht. Wir wollen unsere Prinzipien auf den Platz bringen, so wie uns Europa kennengelernt hat."

Um eine gute Präsentation geht es auch dem WAC, allerdings wird es die letzte auf europäischer Ebene in dieser Saison sein. Der Aufstieg aus Gruppe J ist nicht mehr möglich, wohl aber ein würdiger Abschied beim Gastspiel bei der AS Roma (21 Uhr). "Es ist eine besondere Bühne, auf der wir uns gut präsentieren und unser Spiel herzeigen wollen: attraktiv und aggressiv", sagte Interimscoach Mohamed Sahli.