Im Fußball zählen eben immer die Ergebnisse, heißt es. Doch dafür, dass das nicht immer die ganze Wahrheit ist, lieferte diese Europacup-Woche aus österreichischer Sicht ein geradezu idealtypisches Beispiel. Unterm Strich stehen da eine Niederlage, ein Sieg, ein Remis und also eine ausgeglichene Bilanz. Doch selten war ein De-facto-Nullsummenspiel so euphorisch aufgenommen worden. Sowohl die Niederlage Salzburgs gegen den Champions-League-Titelverteidiger Liverpool nach einer beeindruckenden Vorstellung als auch das hart erkämpfte 2:2 des WAC im Auswärtsspiel bei der AS Roma wurden zumindest teilweise als Sieg gefühlt, dazu kam das 3:0 des Lask gegen Sporting Lissabon.

Der Lask (r.Thomas Goiginger) lieferte aus österreichischer Sicht das Glanzstück der Woche.
 - © APAweb / expa, Reinhard Eisenbauer
Der Lask (r.Thomas Goiginger) lieferte aus österreichischer Sicht das Glanzstück der Woche.
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Unterm Strich stehen also auch: zwei Europacup-Teilnehmer, die international überwintern und bei der Auslosung am Montag durch die Setzung als Champions-League-Umsteiger beziehungsweise Europa-League-Gruppenerster gute Chancen haben, auch der Papierform nach schlagbare Gegner zu bekommen, sowie ein Verein, der erstmals auch auf europäischer Bühne seine positive Entwicklung unter Beweis stellen konnte.

"Wir haben eine tolle Geschichte für diesen Verein geschrieben", sagte Wolfsbergs Interimstrainer Mohamed Sahli. Während die italienische Presse hart mit den Römern ins Gericht ging, sah er trotz des Abschieds aus Europa, der freilich schon davor festgestanden war, nur das Positive für seine Mannschaft: "Ein Punkt gegen Roma muss gefeiert werden."

Von Nikosia bis Bayer Leverkusen ist alles möglich

Für die nähere Zukunft bedeutet diese Europacup-Woche nun zum einen, dass sich Salzburg und der Lask bei der Auslosung am Montag (13 Uhr) in Nyon Kaliber ersparen und stattdessen auf Mannschaften à la Nikosia oder Kopenhagen treffen können - allerdings auch auf prominentere Teams à la Eintracht Frankfurt oder Bayer Leverkusen, die zudem ob des Österreicher-Konnexes interessant wären -, zum anderen, dass man in der Uefa-Fünfjahreswertung dem wichtigen elften Platz wieder nähergerückt ist. Stand Freitag fehlen der zwölftplatzierten heimischen Liga nur noch 0,675 Punkte auf den Elften Türkei. Selbst der Zehnte Ukraine liegt lediglich 1,375 Zähler entfernt, wie die Austria Presse-Agentur vorrechnet.

Auch der WAC (Michael Sollbauer) zeigte international auf. - © APAweb / afp, Filippo Monteforte
Auch der WAC (Michael Sollbauer) zeigte international auf. - © APAweb / afp, Filippo Monteforte

Sollten Salzburg und der Lask in der K.o.-Phase der Europa League zwei Siege mehr als der letzte verbliebene türkische Vertreter Istanbul Basaksehir - etwas überraschend Gruppenerster im Pool des WAC - holen, würde Österreich auf Platz elf vorrücken. In diesem Fall wäre Österreichs Meister im Herbst 2021 in der Champions-League-Gruppenphase, sofern sich der Sieger der vorangegangenen Auflage über die nationale Meisterschaft qualifiziert. In den vergangenen Jahren war dies fast immer der Fall.

Auch Platz zehn ist nicht unerreichbar

Wenn Österreich die laufende Europacup-Saison an zehnter Stelle abschließt, hätte der Meister in der übernächsten Champions-League-Spielzeit auf jeden Fall seinen Fixplatz in der Gruppenphase. Um das zu schaffen, müssten Salzburg und der Lask in der Europa League drei Siege und ein Unentschieden mehr schaffen als der letzte ukrainische Europacup-Vertreter Schachtar Donezk.

Von hinten droht Österreich kaum Gefahr. Der 13. Dänemark hat 4,625 Rückstand und nur noch den FC Kopenhagen im Bewerb. Der Hauptstadt-Klub müsste - Bonuspunkte für ein weites Vorstoßen in der Europa League einbezogen - wohl schon ins Semifinale kommen, damit Österreich von Dänemark überholt wird.

Die vergangene Europacup-Saison beendete die österreichische Liga in der Fünfjahreswertung auf Platz zwölf. Deshalb muss der kommende Meister im Sommer in die Champions-League-Qualifikation.