Lionel Messi gegen Sergio Ramos, FC Barcelona gegen Real Madrid, sprich zwei der größten und besten Vereine Europas und der Welt, im direkten Vergleich - eigentlich bräuchte es nicht viel mehr, um das Spiel am Mittwoch (20 Uhr/Dazn) in der spanischen Primera División zu etwas Besonderem zu machen. Eigentlich. Doch wenn der FC Barcelona laut Eigendefinition "més que un club", mehr als ein Klub, ist, dann war dieses Spiel eben schon immer mehr als ein Spiel. Und diesmal ist es das wahrscheinlich noch ein bisserl mehr als in den vergangenen Jahrzehnten. Denn die ewige Rivalität der beiden Klubs, die in Spanien beinahe im Gleichschritt an der Ligaspitze marschieren - Barcelona liegt nur dank des besseren Torverhältnisses vor den Madrilenen -, wird nicht nur sportlich auf dem Rasen des Nou-Camp-Stadions zu spüren sein. Vielmehr haben die Ereignisse der vergangenen Monate und Wochen rund um die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen die gegenseitige Aversion der beiden Lager verschärft. Aus Angst vor politisch motivierten Unruhen rund um das Spiel wurde "el Clásico" um knapp zwei Monate verschoben.

 

Denn die am 14. Oktober, knapp zwei Wochen vor dem Ursprungstermin, ergangenen Gerichtsurteile in Madrid gegen neun katalanische Separatistenführer - Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren - hatten Massendemonstrationen zur Folge gehabt, die die Straßen Barcelonas und der Region lahmgelegt hatten. Die Polizei war rigoros dagegen vorgegangen, namhafte Vertreter des FC Barcelona hatten sich öffentlich auf die Seite der Protestierenden und Unabhängigkeitsbefürworter geschlagen, bei den Spielen waren katalanische Flaggen zu sehen.

Lionel Messi erwartet ein "interessantes Spiel". - © reuters/Susana Vera
Lionel Messi erwartet ein "interessantes Spiel". - © reuters/Susana Vera

Es ist freilich nicht neu, dass sich der FC Barcelona als Hort des Widerstands geriert. Seinen Ursprung hat dies in der Militärdiktatur Francisco Francos, dessen fußballerische Sympathien sich nach anfänglicher Liebe zu Atlético Madrid zum erfolgreicheren Hauptstadtklub Real verlagert hatten. Heute sieht sich dieser als unpolitisch, die Rivalität zwischen den beiden Vereinen war dann lange auch eher symbolischer Natur. Doch seit dem vom damaligen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont gegen den Widerstand Madrids durchgeführten Unabhängigkeitsreferendum 2017, das zu seiner Entmachtung und Flucht geführt hatte, haben sich alte Gräben wieder vertieft - auf den Straßen und damit auch in den spanischen Stadien. Dabei zählen diese im internationalen Vergleich zu den familienfreundlicheren, Ausschreitungen sind selten. Doch diesmal ist die Alarmstufe hoch. Die Separatistengruppe "Tsunami Democratic" hat für Mittwoch weitere Proteste angekündigt, 3000 Polizisten sollen für die Sicherheit sorgen. Vorsichtshalber checken beide Mannschaften schon Stunden vor Anpfiff in demselben Hotel nahe des Stadions ein.

Real-Verteidiger Sergio Ramos hofft auf drei Punkte. - © reuters/Vincent West
Real-Verteidiger Sergio Ramos hofft auf drei Punkte. - © reuters/Vincent West

Dennoch - oder vielleicht auch deshalb - betonen im Vorfeld beide Seiten die sportlichen Aspekte (und bemühen dabei die üblichen Floskeln): "Es wird sicher ein interessantes Spiel. Alle zwei Teams sind in guter Verfassung", sagt Barcelona-Superstar Messi. Real-Verteidiger Ramos wiederum betont den stets "eigenen, besonderen" Charakter des Clásico. Und, nona: "Wir wollen drei Punkte, aber es wird schwierig, weil beide gut in Form sind." Doch auch wenn die Protagonisten offiziell nichts davon wissen wollen: Ein bisserl geht es halt diesmal auch um mehr als Punkte.