Eine starkes halbes Jahr hat Salzburg-Jungstar Erling Haaland gereicht, um zu Österreichs Fußballer des Jahres 2019 gewählt zu werden. Doch kaum hat das rot-weiß-rote Kapitel des Norwegers begonnen, könnte es sich auch schon wieder schließen. Denn der 19-Jährige wird von mehreren europäischen Topklubs gejagt. Ein Wechsel in naher Zukunft zeichnet sich ab.

Als Sportdirektor Christoph Freund Haaland vergangenes Jahr um kolportierte fünf Millionen Euro vom norwegischen Klub Molde FK holte und sich dabei offenbar gegen namhafte Konkurrenz durchsetzte, war es ein Name für Insider. Inzwischen kennt die ganze Fußballwelt "Big Earl". Das internationale Medien-Tamtam hat in Österreich bisher unbekannte Ausmaße angenommen. Dass der Kurs der Aktie Haaland derart steigt, dürfte selbst Freund nicht geahnt haben. "Wir sind davon überzeugt, dass er uns in den nächsten Jahren viel Freude bereiten wird", sagte er noch im Februar.

Dabei verlief der Start des 1,94-Meter-Mannes, der eine starke Physis mit Schnelligkeit, guter Übersicht und technischer Gewandtheit kombiniert, noch relativ ruhig. 149 Minuten in fünf Pflichtspielen absolvierte Haaland im Frühjahr, ehe er im Sommer anlässlich der U20-WM beim 12:0-Sieg Norwegens über Honduras mit einem historischen Neunerpack glänzte. Im Herbst explodierte der Sohn des einstigen England-Legionärs Alf-Inge Haaland dann mit 28 Toren in 22 Pflichtspielen förmlich - kaum eine Partie verging, in der er nicht traf.

 

Damit ist naturgemäß auch die Wahrscheinlichkeit eines jähen Endes in Salzburg stark gestiegen. Acht Tore in der Champions League, darunter ein Triple gegen Genk und ein Doppelpack gegen Napoli, haben für viel internationales Aufsehen gesorgt. RB Leipzig, Borussia Dortmund und das von seinem einstigen Molde-Coach Ole-Gunnar Solskjaer trainierte Manchester United sind medialen Gerüchten zufolge besonders interessiert.

Mit allen drei Klubs soll Haaland vergangene Woche persönlich gesprochen haben. Ablösesummen von 20 bis 30 Millionen Euro - samt einer angeblich existierenden Ausstiegsklausel - machten die Runde. Den Deal zustande bringen könnte der italienische Star-Berater Mino Raiola, der sich aktuell um den Haaland kümmert.

Einziges Manko Verletzungsanfälligkeit

Ein Abgang wäre für Salzburg schwer, aber mittelfristig doch sportlich zu verkraften. Mit Patson Daka und Hwang Hee-chan verfügt die Elf von Jesse Marsch über ein schlagkräftiges Sturmduo, weitere Alternativen sind Sekou Koita und Smail Prevljak. Finanziell wäre es aber ein neuerlicher Höhepunkt einer ohnehin schon beachtlichen Transferserie, die in den vergangenen Jahren sechs Jahren fast 300 Millionen Euro in die Klubkassa gespült hat.

Haaland, um einen flotten Spruch nie verlegen, interviewtechnisch vonseiten der Salzburger aber an der kurzen Leine gehalten, scheint das Zeug zum großen Star zu haben. Das sehen offenbar auch Norwegens Medien so, die ihren Hoffnungsträger bei internationalen Spielen stets begleiten.

Einen kleinen Schönheitsfehler hat die "Wikinger-Saga" dann aber doch: Haaland, der im vergangenen Winter mit einer Sprunggelenksverletzung nach Salzburg gekommen war, zeigte sich seiner Jugend zum Trotz nicht ganz gefeit vor körperlichen Beschwerden und verpasste im Herbst wegen einer Erkrankung und Muskel- bzw. Knieproblemen insgesamt fünf Spiele. Nur in sieben Pflichtpartien stand er über die volle Spielzeit auf dem Platz - in dieser Hinsicht eine etwas durchwachsene Bilanz. Doch auch darüber muss sich Salzburg womöglich bald nicht mehr den Kopf zerbrechen. (apa)