Es war für Katar der wohl wichtigste Tag des Jahres. Erst beging das kleine, aber reiche Emirat am Mittwoch mit einer Parade und Feuerwerk an der Corniche in Doha seinen Nationalfeiertag. Dann lief wenige Kilometer entfernt Champions-League-Sieger Liverpool bei der Klub-WM in Katar ein - ein weiterer Höhepunkt in der noch kurzen Sportgeschichte des Landes.

Der 2:1-Halbfinalsieg des englischen Tabellenführers gegen die mexikanische Mannschaft Monterrey gab einen ersten Vorgeschmack auf die WM 2022, die in drei Jahren in Katar ausgetragen wird. Bei der Klub-Weltmeisterschaft mit den Kontinentalmeistern und einem katarischen Team probt das Emirat erstmals den Ernstfall unter Echtbedingungen - wenn auch viel kleiner als in drei Jahren: sieben Mannschaften statt 32. Ein paar tausend ausländische Fans statt hunderttausende Besucher. Zwei Stadien statt acht.

Der Auftakt der Klub-WM war nicht reibungslos verlaufen. Weil das Education City Stadion nicht rechtzeitig für das Mini-Turnier fertig wurde, fiel es als Spielort aus. So müssen in dieser Woche alle Spiele in Dohas Khalifa-International-Stadion ausgetragen werden, was vor allem bei Liverpool-Trainer Jürgen Klopp für Ärger sorgte, weil er schlechte Platzverhältnisse befürchtete. In Katar angekommen, nahm der Deutsche seine Kritik jedoch zurück und sprach von "brillanten" Bedingungen. Auch ansonsten gibt sich Katar bei der Klub-WM alle Mühe, als guter Gastgeber aufzutreten. Die undurchsichtige Vergabe der WM 2022 durch den Weltfußballverband Fifa in das kleine Emirat war vor allem in westlichen Ländern über die Jahre massiv kritisiert worden. Berichte über verstorbene Gastarbeiter auf Katars Baustellen schockierten die Öffentlichkeit. Der Gastgeber aber trieb die Vorbereitungen auf das Milliardenprojekt voran.

Wie soll bei der WM Stimmung aufkommen?

Seit diesem Jahr etwa fährt auf drei Linien die neue Metro, welche die Fans zu den Spielen bringen soll und auch direkt zum Endspiel-Stadion Lusail führt - in führerlosen Waggons mit viel Platz, gepolsterten Sitzen und schnellem Internet. Dort, aber auch in und um das Stadion stehen alle paar Meter Helfer bereit, die Fans den Weg weisen. Katar wirbt damit, eine WM mit viel Komfort und kurzen Wegen für Anhänger aus aller Welt zu organisieren. Bis auf eins stehen alle Stadien in Doha oder in unmittelbarer Nachbarschaft.

Doch die Frage lautet: Wie wird das kleine Katar mit nicht einmal drei Millionen Einwohnern mit dem wohl größten Sportereignis der Welt fertig werden? In dieser Woche feierten Fans des brasilianischen Teams Flamengo in Dohas traditionellem Basaren-Viertel Suk Wakif friedlich und fröhlich. Doch es waren nur einige Dutzende, nicht Zehntausende. Während der Spiele der Klub-WM gab es Bilder, die den Organisatoren gar nicht gefielen: Die als besonders fanatisch bekannten Fans von Esperance Tunis hatten trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen Pyrotechnik ins Stadion geschmuggelt und zündeten diese an. Dicke Rauchwolken zogen über das Feld im Khalifa-International-Stadion.

Bei der Stimmung in den WM-Stadien wird viel, wenn nicht alles von den ausländischen Fans abhängen. Katar selbst ist fußballbegeistert, kennt aber keine ausgeprägte Fankultur wie in Europa oder Südamerika. Bei Liverpools Sieg gegen Monterrey saßen auf den Tribünen viele Fans aus der Region, aber auch aus China mit Trikots und Schals der Reds - für die Stimmung unter den rund 45.000 Anhängern im nicht ganz ausverkauften Stadion aber sorgte allein der kleine Fanblock der Mexikaner, der 90 Minuten lang unaufhörlich sang. Auch Bier und anderer Alkohol ist in den Stadien verboten, völlig verzichten müssen Fans darauf aber nicht. Bei der Klub-WM werden in einer Fanzone neben Bier für umgerechnet rund 6,25 Euro pro halbem Liter auch Wein und Cider ausgeschenkt - wenn auch nicht Gin und Whiskey, wie es zunächst auf den Preisschildern stand. Dass am Mittwoch nicht mehr Menschen in die Fanzone kamen, lag vielleicht auch daran, dass etwas in Katar Seltenes geschah: Ausgerechnet am Nationalfeiertag regnete es.(apa/dpa)