Die zwei größten Sorgen von Veranstaltern und mancher Fans haben sich nicht bewahrheitet: Der FC Liverpool hat die Strapazen der vergangenen Monate zumindest so weit verwunden, dass er nicht vorzeitig aus der Klub-WM ausgeschieden ist, ein 2:1-Sieg gegen den mexikanischen Vertreter Monterrey im einzigen Spiel auf dem Weg dorthin reichte den Reds von Trainer Jürgen Klopp, um ins Finale einzuziehen. Dort treffen sie am Samstag (18.30 Uhr/ORF Sport+) auf Flamengo, den Copa-Libertadores-Gewinner, der in Südamerika und nicht nur dort über eine ähnlich begeisterte Anhängerschaft verfügt wie Liverpool in England und Europa. Und selbst die Sorge, dass es im streng islamischen Katar, für das das Turnier ein Testlauf für die Winter-WM 2022 ist, keinen Alkohol gibt, war unbegründet. Das Bier in den Fanzonen rinnt auch um stattliche 6,25 Euro runter wie das sprichwörtliche Öl.

Es läuft also bis auf kleinere Pannen alles, könnte man meinen, wie geschmiert bei diesem jetzt-aber-wirklich-allerletzten ballestrischen Höhepunkt des Jahres. Wenn da nicht die Fragen nach der Zukunft der Klub-WM im Speziellen und damit irgendwie auch des Fußballs im Allgemeinen wären. Seit Gianni Infantino, der Präsident des Weltverbandes Fifa, im März seine Idee einer aufgestockten und reformierten Klub-WM gegen beträchtlichen Widerstand aus Europa durchgeboxt hatte, ist es relativ ruhig um die konkreten Vorhaben geworden. Außer, dass das neue Turnier erstmals 2021 von 17. Juni bis 4. Juli 2021 in China und mit 24 Mannschaften - davon acht aus Europa, von denen allerdings noch nicht klar ist, ob sie überhaupt wollen - stattfinden und den Confed Cup ersetzen soll, ist noch wenig bekannt. Medienberichte der vergangenen Tage rund um den aktuell laufenden Bewerb legen auch nahe, warum. Demnach hat Infantino selbst noch gar keine konkreten Pläne - stattdessen soll er diese weitgehend potenziellen Investoren überlassen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Wochenende berichtete, heißt es in einer Ausschreibung, Geldgeber könnten Vorschläge zu Parametern wie "der Häufigkeit, des Formats, der Qualifikationsmodalitäten und der beteiligten Teams" unterbreiten. Ein potenzieller Investor soll auch das Kapitalunternehmen CVC sein, das offenbar groß in den Fußball einsteigen soll. Der ehemalige Eigentümer der Formel 1 soll auch schon länger mit Real Madrid, das eine führende Rolle in der neu gegründeten Weltklubvereinigung WFCA übernommen hat, über weiterreichende künftige Formate im globalen Klubfußball stehen. Ein weltumfassendes Pendant zur Champions League soll etwa eine Option sein, die derzeit geprüft wird, dieser Bewerb könnte auch als eine Art Ausscheidung für die Klub-WM dienen. Noch ist freilich vieles unklar, doch Fifa-Präsident Infantino wird nicht umhinkommen, bald Konkretes zu präsentieren. Mit seiner Idee, die WM schon 2022 und nicht wie ohnehin bereits fixiert 2026 auf 48 Teams aufzustocken, scheiterte schon an den realpolitischen Gegebenheiten, weil das kleine Katar keine Partner für die Ausrichtung einer Mammut-WM finden konnte. Bezüglich der Klub-WM hatte Infantino heftige Opposition aus Europa. Die European Club Association war wie auch der Kontinentalverband Uefa gegen die Aufstockung, da eine Konkurrenz zur Champions League einerseits und zu große Strapazen für die Spieler andererseits befürchtet wurden.

Schon beim laufenden Turnier zeigten sich die logistischen Probleme: Nur wenige Tage nach dem letzten Champions-League-Gruppenspiel des FC Liverpool musste die Mannschaft in die Wüste, während eine C-Elf im Ligacup-Viertelfinale verlor. Die A-Mannschaft indessen hat ihre erste (Pflicht-)Aufgabe mit dem Sieg gegen Monterrey erfüllt. Die nächste wartet am Samstag. Nach getaner Arbeit darf es vielleicht sogar das eine oder andere Bier sein. Die 6,25 Euro wird die Klubkassa nach einem Jahr wie diesem schon noch hergeben.(art)