Nun, so weit ist es noch nicht, dass das Tennis-Turnier von Wimbledon oder das Skirennen von Kitzbühel im saudi-arabischen Jeddah stattfindet. Doch sicher kann man längst nicht mehr sein, dass derlei Pläne nicht schon längst in den Schubladen liegen. Denn ob die derzeit ausgetragene Rallye Dakar, der Box-WM-Kampf zwischen Andy Ruiz und Anthony Joshua im Dezember oder die Formel E kurz davor - zuletzt haben sich die internationalen Veranstaltungen, die das in Sachen Menschenrechte eher in den Negativschlagzeilen angesiedelte absolutistisch regierte Königtum in positiver Hinsicht auf die Landkarte des internationalen Sports bringen sollen, gehäuft. Nun geht also auch der spanische Fußballverband in die Wüste. Im saudi-arabischen Jeddah wird ab Mittwoch mit dem Spiel zwischen Real Madrid und Valencia (20 Uhr MEZ) der spanische Supercup in neuem Format zwischen dem Cupsieger, dem unterlegenen Finalisten, dem Meister und Vizemeister ausgespielt. Mehr Mannschaften bringen schließlich mehr Geld - und davon gibt es in dem flächen- wie einwohnermäßig mit Abstand größten Land der arabischen Halbinsel so viel wie den sprichwörtlichen und buchstäblichen Sand am Meer.

Kolportierte 40 Millionen Euro machen die Scheichs jährlich locker, um die Stars der spanischen Topmannschaften für vorerst drei Saisonen hierher zu locken. Bei diesen stoßen Turnier, Schauplatz und Geldverteilung allerdings auf ambivalente Gefühle. Zum einen wird dem Verband RFEF vorgeworfen, mit zweierlei Maß zu messen - immerhin verhinderte er bisher erfolgreich regelmäßige Ligaspiele in den USA -, zum anderen kritisiert vor allem Valencia, dass dem regierenden Cupsieger wesentlich weniger Antrittsgeld zugestanden wird als Barcelona und Real.

Lockerungen als Alibi-Handlungen

Darüber hinaus ist Saudi-Arabien bei Menschenrechtsorganisationen wegen der Unterdrückung Andersdenkender und Frauen übel beleumundet. Die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi im Vorjahr im Konsulat in Istanbul hat Saudi-Arabien zusätzlich international unter Druck gebracht. Mit der Vision 2030 versucht das Land sein Image aufzubessern und sich weltoffener und liberaler zu verkaufen, um für den Tourismus interessanter und unabhängiger von Ölressourcen zu werden. Restriktionen für Frauen wurden im Vorjahr etwas gelockert, so dürfen diese mittlerweile Autofahren und Fußballspiele besuchen.

Experten allerdings kritisieren die Maßnahmen als Alibi- und PR-Handlungen - und sehen sich unter anderem durch die jüngste Meldung von 120 Festnahmen wegen "Verstößen gegen die Schicklichkeit", sprich des Tragens "unangemessener Kleidung", wenige Tage vor Silvester bestätigt. Dennoch wird auch der spanische Verband gemäß den Usancen großer Organisationen, wenn sie die Vergabe von Veranstaltungen zu rechtfertigen versuchen, nicht müde, die Kraft des Fußballs als gesellschaftspolitischen Motor zu betonen. Zudem verteidigt sich Verbandschef Luis Rubiales mit dem Reformdruck auf den Bewerb. Den alten Supercup zwischen Meister und Cupsieger, meinte er, hätte ohnehin niemand mehr sehen wollen.

Doch die Hoffnungen, dass sich das nun ändert, könnten sich im wahrsten Wortsinn als auf Sand gebaut erweisen. Spaniens staatlicher TV-Sender boykottiert das Turnier, dem Kartenverkauf nach zu urteilen, haben spanische Fans wenig Interesse an einer Reise nach Jeddah. Madrid, Valencia oder Barcelona liegt halt doch ein bisschen näher.