Die Warnung kommt von ungewohnter Seite: Mit Interesse verfolge man die Diskussionen um künftige Formate internationaler Fußball-Bewerbe, schreibt die Wirtschaftsberatungsagentur Deloitte in ihrem am Dienstag erschienenen Report über die Umsatzentwicklung europäischer Klubs – und folgert: "Wir empfehlen, die finanziellen Interessen als Ganzes in Betracht zu ziehen, um eine Situation zu vermeiden, in der die Resultate auf dem Feld zu stark von den zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen beeinflusst werden, wodurch der Wert und die Integrität des Spiels beschädigt werden könnten."

Wenngleich Deloitte dem Fußball insgesamt nach wie vor ein gesundes Wachstum attestiert – Jahr für Jahr werden Rekorde erzielt, in der neuesten Auflage für das Geschäftsjahr 2018/19 hat der FC Barcelona als neuer Führender mit einem Gesamtumsatz von 840,8 Millionen Euro als erster Verein die 800-Millionen-Schallmauer durchbrochen –, dürfte der Bericht also jenen Kritikern neue Nahrung geben, die einen Ausverkauf des Fußballs, der zuletzt etwa durch die Austragung des spanischen Supercups in Saudi-Arabien heftig moniert wurde, befürchten.


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Football Money League 2018/19
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Große Lücken zwischen den Top-Klubs und dem Rest

Zudem würden auch die Vereine selbst zunehmend in ungewissen Fahrwassern segeln. Dass etwa Streaming-Dienste und Internetriesen wie Amazon und Co. groß ins Bieten um Medienrechte eingestiegen sind, erhöht zwar einerseits das Einnahmenpotenzial, andererseits aber auch die Unwägbarkeiten – ähnlich verhält es sich mit den noch nicht hundertprozentig erforschten Möglichkeiten der Social-Media-Vermarktung sowie der Befriedigung von Interessen der klassischen Stadionbesucher, die sich zunehmend ins Abseits gedrängt fühlen.

In Österreich sind es auch in der aktuellen Ausgabe des Reports wenig überraschend Red Bull Salzburg, Rapid und die Austria, die die Rangliste anführen. Die vielbeachteten Auftritte des Lask in der heurigen Europacup-Saison dürften den Oberösterreichern in naher Zukunft einen Schub geben. Derzeit aber klafft zwischen den Top drei – angeführt von Red Bull Salzburg mit einem 119-Millionen-Dollar-Umsatz – und dem Rest des Feldes noch eine riesige Lücke, womit Österreich allerdings im internationalen Trend liegt. Barcelona beispielsweise erwirtschaftete laut Deloitte das Sechsfache des spanischen Tabellenfünften – was für die Wettbewerbsfähigkeit der Liga freilich nicht unbedingt das Beste verheißt.

 

Trainerwechsel bei Barcelona

Dennoch dürfen sich die Katalanen vorerst über ihre Spitzenposition freuen. Denn sportlich und atmosphärisch gab es zuletzt, wenngleich auf hohem Niveau, auch etwas Grund zum Ärger. Nach der 2:3-Niederlage gegen Atlético im Supercup-Halbfinale, der vierten Partie ohne Sieg in den jüngsten fünf Spielen, eskalierten die internen Querelen zwischen Klubchef Josep Maria Bartomeu und dem nunmehrigen Ex-Trainer Ernesto Valverde. Der Katalane musste nach zweieinhalb Jahren, zwei Meistertiteln sowie je einem Triumph im spanischen Cup und Supercup, gehen und für Quique Setien Platz machen. Welche Begeisterungsfähigkeit und sportlichen Resultate durch den ehemaligen Betis-Sevilla-Trainer ins Nou Camp einziehen, wird sich freilich erst weisen – ihre Auswirkung auf Vermarktung und Finanzen ebenso.